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Die Stadt von der anderen Seite sehen

Ein Labor für die Entwicklung der Gesellschaft von morgen

Mülheim gleicht einem Labor, in dem ganz unterschiedliche Vorstellungen einer zukünftigen Stadtgesellschaft kontinuierlich neu verhandelt werden. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen, denn vielleicht entscheidet hier das Gelingen von Veränderungsprozessen nicht nur über die Zukunft Mülheims, sondern beispielhaft über die Entwicklung der ganzen Stadt

Thomas Laue, leitender Dramaturg

Das Schauspiel Köln hat sanierungsbedingt für mehrere Jahre eine Interimsspielstätte im rechtsrheinischen Köln-Mülheim bezogen, einem Stadtteil, in dem viele Herausforderungen an eine zukünftige Stadtgesellschaft gebündelt auftreten: postindustrieller Strukturwandel, Zuwanderung und Gentrifizierung. Hinzu kommen die Nachwirkungen des rechtsterroristischen Anschlages des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) vor zehn Jahren.

Bereits in der ersten Interimsspielzeit hat sich das Schauspiel Köln neben dem klassischen Repertoiretheaterspielbetrieb intensiv mit dem Stadtteil Mülheim auseinandergesetzt. Durch seine Präsenz und seine aktive Beteiligung an der Entwicklung des Stadtteils mit künstlerischen Mitteln ist das Schauspiel Köln zu einem wichtigen Motor innerhalb Mülheims geworden. Auch nach dem Wiedereinzug in das sanierte Haus am innerstädtischen Offenbachplatz soll daher der Standort beibehalten und die im Interim begonnene stadtteilbezogene Arbeit und der Anteil partizipativer Kunstprojekte weiter ausgebaut werden.

Ziel des Projekts

Unsere heutige Stadtgesellschaft ist so vielfältig wie heterogen zusammengesetzt. Die Herausforderungen an die Organisation des Zusammenlebens sind so komplex, dass keine Institution oder gesellschaftliche Gruppe alleine funktionierende Lösungsansätze entwickeln kann. Das Projekt setzt es sich deshalb zum Ziel, mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen und Gruppen, die von den Entwicklungen innerhalb des Stadtteils direkt oder indirekt betroffen sind, in Kontakt zu treten und gemeinsam mit ihnen eine Vision für die Zukunft zu entwerfen. Künstler treffen auf Architekten, Sozialarbeiter und Ökonomen, Politiker auf Bildungsforscher, Junge auf Alte, Alteingesessene auf Neuzugezogene. Erst aus dem Zusammenspiel vieler Perspektiven entstehen einzelne, partizipativ angelegte Kunst- und Praxisprojekte. Der offen angelegte Prozess wird dabei von Stadtplanungsexperten begleitet und auf seine Wirksamkeit hinsichtlich konkreter Entwicklungen im Stadtteil überprüft. Gleichzeitig soll das in Mülheim verortete Projekt als Labor für die ganze Stadt dienen.

Aufgabe

Kölner Carlsgarten Kölner CarlsgartenKölner Carlsgarten Quelle: Tommy Hetzel

„Die Stadt von der anderen Seite sehen“ soll die verschiedenen Perspektiven und auch die bestehenden und gut ausgebauten Netzwerke innerhalb des Stadtteils aufeinandertreffen lassen und in einen gemeinsamen Arbeitsprozess bringen. Dabei ist das Theater Motor des Dialogs und der öffentlichen Diskussion sowie künstlerisches Transportmittel für den Arbeitsprozess zugleich. Das ist in zweierlei Hinsicht neu: ein Theater versteht sich aktiv als Instrument der Stadtentwicklung und es setzt einen Prozess in Gang, der den Herausforderungen gegenwärtiger Stadtentwicklung auf innovative Weise gerecht wird.

Umsetzung

Die Lücke Die LückeDie Lücke Quelle: David Baltzer

Das Projekt hat keinen von Anfang bis Ende durchgeplanten Projektverlauf. Es handelt sich vielmehr um einen vom Schauspiel Köln angestoßenen Arbeitsprozess aus dem künstlerische Projekte entwickelt werden. Die Anbindung weiterer Projekte oder die Ausweitung der Projektstruktur im Prozess ist ebenso erwünscht wie die Verknüpfung mit anderen Arbeiten, Bereichen, Projekten und natürlich auch mit dem Repertoirebetrieb des Schauspiels Köln. Im Sinne des Projektes setzt das Schauspiel dabei immer auch auf die Eigenständigkeit der Projektpartner und ihre Expertise zur Weiterentwicklung des Projektes.

„Die Stadt von der anderen Seite sehen“ gliedert sich in mehrere Arbeitsschritte. Zunächst soll in einer Bestandsaufnahme erhoben werden, welche Themen den Stadtteil beschäftigen und welche Expertisen und Kompetenzen im Stadtteil bereits vorhanden sind. Darauf aufbauend werden die bisherigen Schnittstellen und Kooperationen weiter ausgebaut und miteinander vernetzt. Anschließend will das Labor konkret werden. Aus den Erkenntnissen werden Teilprojekte abgeleitet, die visionär und gleichermaßen spezifisch sind. Dabei handelt es sich um künstlerische Vorhaben, aber auch um Aktionen, die Kunst und Stadtentwicklung, Ökonomie und Sozialraum miteinander verbinden. Von der Bühne aus und im öffentlichen Raum wirken sie in den Stadtteil und die ganze Stadt zurück.

Zusatzinformationen

Projektträger

  • Bühnen der Stadt Köln - Schauspiel Köln

Ansprechpartner

  • Bühnen der Stadt Köln
    Schauspiel Köln
    Offenbachplatz 50670 Köln
  • Isabel Finkenberger

    Telefon: 0221 221-28315

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