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Fachtagung und Preisverleihung "Vernetzung im Verkehr - Gute Beispiele zur Verbesserung von städtischen Quartieren"

08. Dezember 2008, Berlin

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) haben im Sommer 2007 die Best-Practice-Suche "Vernetzung im Verkehr zur Verbesserung von städtischen Quartieren" gestartet. Im Ergebnis wurden 30 Projekte ausgewählt, die den Mehrwert vernetzten Planens und Handelns verdeutlichen und Mut machen sollen, Neues auszuprobieren.

Am 8. Dezember 2008 wurden die Praxisbeispiele im Rahmen einer Fachtagung mit Preisverleihung im Hotel Hilton in Berlin für ihr Engagement ausgezeichnet. Fachvorträge und Best-Practice-Vorstellungen ermöglichten den fast 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung darüber hinaus einen tieferen Einblick in die Thematik und boten Anregungen für die eigene Praxis.

Dr. Ulrich Hatzfeld, Leiter der Unterabteilung Stadtentwicklung im BMVBS, hob in seiner Begrüßung die Rolle der Stadtentwicklung für die Minderung der Belastungen durch Verkehr hervor. Er verwies im Zusammenhang mit den auszuzeichnenden guten Beispielen auf den Mut zu innovativen Ansätzen. Dies entspricht auch dem Charakter des Forschungsprogramms "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)" des Bundes, in dem die Best-Practice-Suche durchgeführt wurde.

Anschließend erläuterte Sabine Herz (FIRU mbH, Kaiserslautern) den Auswahlprozess der guten Beispiele und stellte die Veröffentlichung "Vernetzung im Verkehr – Gute Beispiele der Verbesserung von städtischen Quartieren" vor. Die Publikation des BMVBS dokumentiert die Sammlung der Vorhaben und will damit Anregungen für die eigene Praxis geben. Sie bietet über die Projekte hinaus allgemeine Handlungsansätze und Erfolgsfaktoren, welche die lokale "Nachahmung" erleichtern sollen.

Parlamentarischer Staatssekretär Ulrich Kasparik Parlamentarischer Staatssekretär Ulrich Kasparik

Die Preisverleihung wurde durch den Parlamentarischen Staatssekretär beim BMVBS, Ulrich Kasparick, mit dem Wunsch eingeleitet, die guten Beispiele nach außen zu tragen und als Anstoß für neue Ideen und Projekte zu nutzen. Angesichts des demographischen Wandels und der Endlichkeit fossiler Treibstoffe sei ein Umdenken auch in der kommunalen Verkehrspolitik notwendig. Er betonte, dass insbesondere die Nahmobilität gestärkt werden müsse. Den ausgewählten Praxisbeispielen sprach er für deren vorbildlichen Beitrag zur Vernetzung im Verkehr seine besondere Anerkennung aus.

Der Preisverleihung schlossen sich drei Vorträge zum Thema Nahmobilität an. Sie veranschaulichten Hemmnisse, Potenziale und Handlungsansätze zur Förderung der nichtmotorisierten individuellen Mobilität im Quartier. Die fachliche Einführung in die Thematik übernahm Franz P. Linder (P3 Agentur für Kommunikation und Mobilität, Köln). Sein Vortrag "Nahmobilität im Lebensraum Stadt" verdeutlichte, dass Lebensqualität den entscheidenden (Wettbewerbs-)Faktor in der Stadt von morgen darstellen wird. Lindner betonte den Zusammenhang zwischen einer hohen Lebens- und Bewegungsqualität in der Stadt und optimalen Bedingungen für die Nahmobilität. Als Ergebnis seines Vortrages standen die wichtigsten Gründe und Handlungsschwerpunkte für die Förderung von Nahmobilität.

Einen Blick auf die kommunale Praxis ermöglichten die Best-Practice-Vorstellungen von Gerhard Ritscher (Landeshauptstadt Dresden) und Mona Winkelmann (Stadt Frankfurt am Main).

Gerhard Ritscher stellte das Projekt "1000 Fahrradbügel für die Dresdner Innenstadt" vor, das sich vor allem durch seinen unkomplizierten Ansatz der Bürgerbeteiligung auszeichnet. Auf Klebepunktkarten konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Standortwünsche für die zusätzlichen Fahrradbügel markieren. Der 1000. Fahrradbügel wurde bereits installiert. Die Aktion konnte jedoch Initiativen Dritter wecken und weitere Projekte zur Förderung des Radverkehrs anstoßen.

Im Gegensatz dazu lag der Schwerpunkt des "Pilotprojekts Nahmobilität Nordend" der Stadt Frankfurt am Main auf dem Fußverkehr. Basierend auf der Erkenntnis "ohne Fußverkehr läuft nichts..." sollte die Förderung der Nahmobilität auf Stadtteilebene in einem breiten diskursiven Prozess erprobt werden. Wie Mona Winkelmann erläuterte, wurden hierbei neue Wege der Bürgerbeteiligung beschritten, die derzeit im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeld "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere" fortgesetzt werden. Bestandteil des Beteiligungskonzeptes waren unter anderem ein Bürgerforum, Mitmachflyer und Planungsspaziergänge zum Anschauen und zur Diskussion vor Ort.

Den Nachmittag leitete Dr. Martin Schreiner (Freier Mobilitätsberater, München) mit einem Vortrag zum Thema Mobilitätsmanagement ein. Maßnahmen des Mobilitätsmanagements zielen durch Information, Beratung, Motivation, Bildung und Erziehung auf eine Stärkung des Umweltverbundes. Die individuelle Mobilität soll grundsätzlich mit einem geringeren Aufwand an Kfz-Verkehr organisiert werden. Am Beispiel der Anstrengungen der Landeshauptstadt München gab Dr. Schreiner einen Überblick über die Praxis des Mobilitätsmanagements. Unter anderem erläuterte er den Ablauf eines Dialogmarketings für Neubürgerinnen und -bürger.

Gruppenfoto der PreisträgerPreisträger

Hieran anschließend folgten zwei weitere Best-Practice-Darstellungen. Michael Glotz-Richter (Freie Hansestadt Bremen) verdeutlichte unter dem Titel "Car-Sharing – Vom mobil.punkt in Bremen zur Änderung der StVO" die Potenziale, aber auch die bestehenden Hemmnisse im Bereich des Car-Sharings. Die Evaluation der ersten beiden mobil.punkte in Bremen zeigte, dass durch zehn Car-Sharing-Fahrzeuge insgesamt 95 Autos im Umfeld ersetzt wurden. Gleichzeitig sei aber gerade mit Blick auf die innerstädtischen Quartiere eine Änderung der Straßenverkehrsordnung erforderlich. Durch die Zulassung von Car-Sharing-Stellplätzen im öffentlichen Raum könnte die Attraktivität der Angebote deutlich erhöht werden.

Michael Haas (Stadt Viernheim) präsentierte das Best Practice "Revitalisierung der Gütergleisstrecke Weinheim – Viernheim". Ziel des Projektes war es, Güterverkehr wieder von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Haas verdeutlichte die zentrale Bedeutung der Kooperation von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft für das gesamte Projekt. "Alle Akteure haben über einen längeren, auch schwierigen Prozess an einem Strang gezogen, sind Kooperationen eingegangen und haben das Projekt realisiert."

Der letzte Fachvortrag des Tages stand unter dem Titel "Prozessgestaltung in der Verkehrs- und Stadtplanung – Beitrag zur Planungskultur". Unter den Schlagworten

  • Partizipation: Pflicht,
  • Planungsprozesse: Chancen,
  • Prozessgestaltung: Qualität und
  • Planungskultur: Stadtkultur

veranschaulichte Prof. Dr.-Ing. Ursula Stein (Stein + Schultz, Stadt-, Regional- und Freiraumplaner, Frankfurt am Main) die Bedeutung des Austauschs über Stadt, der Selbstreflexion im Zuge von Planungsprozessen und gemeinsamer Anstrengungen für eine Idee oder ein Projekt. Eine erfolgreiche Prozessgestaltung, führte sie aus, basiere hierbei auf einem ausgefeilten Prozessentwurf.

In seinem Resümee fasste Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dirk Vallée (Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen) die zentralen Erfolgsfaktoren der Vernetzung im Verkehr zur Verbesserung von städtischen Quartieren noch einmal zusammen. Er verdeutlichte, dass Vernetzung im Verkehr eine mehrdimensionale Aufgabe ist und entsprechend über sektorale Bemühungen hinausgehen muss. Insbesondere gehe es um die Vernetzung von Disziplinen und Ressorts, das Verstehen unterschiedlicher Sprachen, die Einbindung einer Vielzahl von Akteuren sowie die direkte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Er verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung mit dem Wunsch, dass ihnen die guten Beispiele eine Anregungen sein mögen. Auch in ihrer jeweiligen Situation mögen sie durch die geschickte Kombination von Maßnahmen, erarbeitet in einem partizipatorischen Prozess, zu guten Lösungen kommen.


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