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Fachtagung "Attraktive Städte und Orte brauchen aktive Zentren"

28. Mai 2008, Berlin

Mit dem neuen Schwerpunkt der Städtebauförderung gibt es erstmalig ein spezielles Programm für die zentralen Räume in Städten und Gemeinden. Zum Programmauftakt fand am 28. Mai 2008 in Berlin die Fachtagung "Attraktive Städte und Orte brauchen aktive Zentren" statt. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat diese Tagung im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik durchgeführt. Mitveranstalter waren die Bauministerkonferenz, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Das BBR war mit der fachlichen Vorbereitung und Begleitung beauftragt.

Ziel der Fachtagung

Attraktive Innenstädte, lebenswerte Stadtteilzentren und Ortskerne haben herausragende Bedeutung für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden. Innenstädte stiften Identität für die gesamte Stadtgesellschaft, Ortsteilzentren sind Kristallisationspunkte des Alltagslebens. Viele Stadtteilzentren und auch Innenstädte sind jedoch mit Funktionsverlusten und gewerblichen Gebäudeleerständen konfrontiert. Im Zuge des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels müssen sich die zentralen Bereiche immer wieder neu auf veränderte Anforderungen einstellen. Nur so können sie sich als attraktive Orte für Wirtschaft und Kultur, zum Wohnen und Arbeiten qualifizieren.

Fotocollage des Podiums und Auditoriums Fotocollage des Podiums und Auditoriums

Vor diesem Hintergrund hatte der Bund bereits die städtebaurechtlichen Instrumente zur Stärkung der Innenentwicklung und zentraler Versorgungsbereiche geschärft. Darüber hinaus sind aber auch materielle Ressourcen erforderlich, um nachhaltige Impulse für attraktive Innenstädte, lebenswerte Stadtteilzentren und Ortskerne zu entfalten. Dementsprechend haben Bund und Länder im Rahmen der Städtebauförderung den neuen Programmbereich "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" eingerichtet. Sie haben zusammen mit den Kommunalverbänden die Fachtagung zum Auftakt des neuen Schwerpunktes der Städtebauförderung durchgeführt.

Die Veranstaltungspartnerschaft ist bereits Ausdruck des Kooperationsgedankens im Städtebauförderprogrammbereich "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Ein wesentliches Veranstaltungsziel bestand darin, ein kräftiges Startsignal für das neue Förderprogramm an die Fachwelt zu senden. Die Resonanz von mehr als 400 Gästen zeigt, dass das Signal angekommen ist. Das kurz so genannte "Innenstadtprogramm" geht mit beachtlicher Aufmerksamkeit an den Start. Ein weiteres Ziel war es, über die sachlichen Hintergründe, Ziele und Elemente des Programms zu informieren. Weiterhin sollten Erfahrungen und Handlungsansätze aus der städtebaulichen Praxis diskutiert werden.

Städtebauförderung für aktive Stadt- und Ortsteilzentren

Eingangs stellte der Staatssekretär im BMVBS, Dr. Engelbert Lütke Daldrup den Programmbereich unter das übergeordnete Ziel, die Innenentwicklung systematisch zu unterstützen. Dementsprechend sei die Stärkung der Innenstädte und der Ortsteilzentren der neue Schwerpunkt der Städtebauförderung. Er verwies auf wesentliche Konsequenzen der Föderalismusreform für die Bundesfinanzhilfen, nämlich: Problemorientierung, Befristung, degressive Finanzierung, Evaluierung.

Fotocollage mit drei Szenen aus BerlinFotocollage mit drei Szenen aus Berlin

Der Programmbereich "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" ist auf acht Jahre ausgelegt und im Jahr 2008 mit 40 Mio. Euro an Bundesmitteln ausgestattet. Als Handlungsmöglichkeiten nannte Dr. Lütke Daldrup exemplarisch: Zentrenstärkung, Abbau gewerblicher Leerstände, Brachenaktivierung, Unterstützung von Citymanagement, Förderung lokaler Initiative und Verantwortung.

Situation und Perspektive zentraler Stadträume

Im Anschluss referierte Professor Kunibert Wachten, Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, über Probleme, Perspektiven und Handlungsansätze in Stadt- und Ortsteilzentren. Er skizzierte diese mit einem illustrierten Streifzug durch die Mitte einer Großstadt (Hamburg), ein großstädtisches Stadtteilzentrum (Mönchengladbach-Rheydt) und ein kleinstädtisches Ortsteilzentrum (Nettetal-Lobberich). So wurde die große Bandbreite der Ausgangslagen und Herausforderungen offenkundig.

Fotocollage mit drei Szenen aus Wernigerode, Halberstadt und Bernkastel-Kues (von links nach rechts) Fotocollage mit drei Szenen aus Wernigerode, Halberstadt und Bernkastel-Kues (von links nach rechts)

Jedes Zentrum stelle zugleich eine besondere und komplexe Aufgabe dar, so Prof. Wachten. Geschichtlichkeit und Identität seien zu sichern. Um Vielfalt und Multifunktionalität in den Innenstädten zu entwickeln sei mehr Aufmerksamkeit auf das Wohnen, auf kulturelle und öffentliche Einrichtungen zu richten. Langfristorientierungen sollten mit Sofortmaßnahmen kombiniert und in neue Kooperationen eingebunden werden. Schließlich plädierte Prof. Wachten dafür, aktive Stadt- und Ortsteilzentren als Dauer- und Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen.

Große Aufgabenvielfalt

Die anschließenden Podiumsrunden haben die Problem- und Aufgabenvielfalt in der lokalen Praxis noch weiter ausdifferenziert. Auf dem ersten Podium ging es um die für das Alltagsleben relevanten Ortsteil- bzw. Stadtteilzentren und Ortskerne. Das zweite Podium setzte sich mit dem Handlungsfeld der Stadtzentren, also mit der Mitte und Marke der gesamten Stadt auseinander.

Auf beiden Podien war ein großes Spektrum an Rollen und Perspektiven in der Stadt- und Ortsteilentwicklung vertreten. Stadtplanung und Stadtentwicklungspolitik waren von der Landesebene (Berlin) über die Ebenen der Großstadt (Chemnitz) und Mittelstadt (Bocholt) bis zum Landkreis (Harz) repräsentiert. Das Akteursspektrum reichte vom Einzelhandelsgeschäftsinhaber (aus Bernkastel-Kues) bis zum Entwickler von Einkaufszentren (in Pforzheim bzw. Hagen), von der Ebene regionaler Einzelhandelskonzepte (Östliches Ruhrgebiet) bis hin zum Quartiersmanagement (Hamburg-Altona).

Fotocollage mit Szenen eines Familienfestes in Hamburg-Altona, der Schlössle-Galerie in Pforzheim und der Galerie in Chemnitz (von links nach rechts) Fotocollage mit Szenen eines Familienfestes in Hamburg-Altona, der Schlössle-Galerie in Pforzheim und der Galerie in Chemnitz (von links nach rechts)

Einführende Impulsbeiträge kamen von Norbert Portz für den Deutschen Städte- und Gemeindebund und Martin zur Nedden für den Deutschen Städtetag. Unter der Moderation durch Frauke Burgdorff, Montag Stiftung Urbane Räume Bonn, wurden prägnante und praxisbezogene Beiträge zusammengetragen. Beide Podiumsrunden haben anschauliche Einblicke in unterschiedliche Praxisfälle eröffnet und zugleich inhaltliche Bezüge zwischen den Beiträgen gewahrt. Auf diese Weise wurden Erfahrungstransfer und Anregung aus der laufenden Praxis für die künftige Entwicklung der Stadt- und Ortsteilzentren bereits zum Programmauftakt gelebt.

Schlussbemerkungen

Abschließend folgten jeweils Einschätzungen aus Länder- und Bundessicht. Für Siegfried Schneider, Fachkommission Städtebau der Bauministerkonferenz, bietet der neue Programmbereich eine große Chance, die sich andeutende Rückbesinnung auf die Innenstadt zu unterstützen. Er appellierte an die Akteure der Zentrenentwicklung, diese Chance zu ergreifen und die experimentellen Programmelemente für die Praxis zu nutzen. Er unterstrich Notwendigkeit und Nutzen der Programmevaluierung und sprach sich für eine praxisorientierte Durchlässigkeit der vielfältigen Programmbereiche in der Städtebauförderung aus.

Aus Bundessicht hob Dr. Ulrich Hatzfeld, BMVBS, die Bedeutung der Innenstädte für Planung und Entwicklung in der gesamten Stadt bzw. Stadtregion hervor. Er unterstrich die methodische Innovation des Verfügungsfonds im neuen Förderprogrammbereich und rief dazu auf, diesen kreativ und verantwortungsvoll zu nutzen. Der Fonds biete den Kommunen ein strategisches Instrument, neue Partnerschaften für die Zentrenentwicklung zu konstituieren und Kooperationsprozesse zu verstetigen. Aus seiner Sicht seien Flexibilität und Anpassungsfähigkeit generell die wesentlichen Erfolgsfaktoren der Städtebauförderung.

Fazit

Rückblickend kann ein vielversprechender Auftakt für den neuen Förderprogrammbereich "Aktive Stadt- Ortsteilzentren" konstatiert werden. Dafür spricht zum einen die große Resonanz. Zugleich zeichnete sich die Tagung durch einen dichten und tiefgehenden Fachdiskurs aus. Es zeigte sich ein beachtlicher Fundus an gemeinsamen Einschätzungen und Orientierungen, die über fachliche und institutionelle Grenzen hinausgreifen. Das betrifft die Einschätzung der herausragenden Bedeutung der Stadt- und Ortsteilzentren für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden insgesamt. Dazu zählen weiterhin die Orientierungen auf Gestalt- und Prozessqualitäten, auf funktionale, kulturelle, bauliche und soziale Vielfalt. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die weit verbreitete Einsicht zu nennen, Wohnen in der Innenstadt für alle Gesellschaftsgruppen möglich zu machen. Schließlich scheint die Erkenntnis zu reifen, die Entwicklung der zentralen Räume in Städten und Gemeinden als vieldimensionale Herausforderung und fortwährenden Prozess anzunehmen. Dafür werden neue Kooperationen und übergreifende Partnerschaften als hilfreich und notwendig erachtet. Impulse dafür sind von dem neuen Förderprogrammbereich, aber auch vom bereits existierenden Transferpotenzial aus der Praxis zu erwarten. Insofern darf die Fachtagung in mehrfacher Hinsicht als ermutigender Auftakt für das "Innenstadtprogramm" gelten.

Download

Eine ausführliche Reportage der Tagung steht ihnen hier als Download zur Verfügung:

Datei ist nicht barrierefrei Reportage der Innovationsagentur NRW (pdf/1349-KB)


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