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30. August 2010 | Nr. 021/2010

Wenn Leerstand zur Kunst wird: Die Straßengalerie Chemnitz-Sonnenberg ist eröffnet

"Dieses leerstehende Haus ist jetzt kein leerstehendes Haus mehr, sondern eine Galerie und eine Galerie hält man in Ordnung!" Mit diesen Worten eröffneten Eckhard Heumeyer vom Verein StadtHalten e.V. und die Chemnitzer Baubürgermeisterin Petra Wesseler am 20.8. die Straßengalerie Sonnenberg. "Mit Kunst gegen Vandalismus", lautet die Idee, die dahinter steckt.

Leerstand geht einher mit Verwahrlosung der Gebäude, diese verursacht weiteren Verfall und ermuntert zu Vandalismus, wodurch sich Image und Attraktivität eines Stadtteils weiter verschlechtern. Unter der Bezeichnung "Broken-Windows-Theorie" ist dieser Teufelskreis bereits seit Jahrzehnten bekannt. Die üblichen Sicherungsmaßnahmen mit zugemauerten Fenstern oder Stahlplatten vor den Türen stoppen zwar den Verfall, wirken allerdings auch nicht anziehender, als eine eingeworfene Fensterscheibe.

Die Straßengalerie hingegen setzt ein ganz anderes, wirklich schönes Zeichen gegen Vandalismus. Im "Konservierten Stadtquartier" sichern jetzt echte Kunstwerke die Erdgeschosszonen. Die Galerie ist ein Gemeinschaftsprodukt des ganzen Quartiers: Der Verein StadtHalten als Initiator organisiert die Kontakte, bereitet weiß gestrichene Holz-Sicherungselemente als Bild-Grundlagen vor und sorgt für die Pflege der Galerie, die Eigentümer stellen die Fenster und Türen ihrer leerstehenden Häuser als Ausstellungsplätze zur Verfügung, Kinder, Jugendliche und das Netzwerk Sozialer Initiativen im Stadtteil schwingen den Pinsel und die im Kunstraum Chemnitz e.V. aktiven Künstler geben professionellen Rat. Knapp 70 Bilder sind bereits vor die Fenster und Türen geschraubt worden, doch das ist nur der Auftakt. StadtHalten hat noch viel vor: Man könnte es sogar bis ins Guinness-Buch der Rekorde schaffen, aber ein noch größerer Erfolg wäre es, wenn die Galerie möglichst bald überflüssig werden würde, weil die Häuser neue Bewohner finden.


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