Session in der Kirche: Nexthamburg sucht die lebendige Innenstadt
Staub und Lärm der umfangreichen Sanierungsarbeiten an der altehrwürdigen Hamburger St.-Katharinen-Kirche schrecken derzeit die Touristen ab, umso mehr überrascht der plötzliche Besucherandrang am späten Nachmittag des 2. Juni 2010. Die etwa 100 Gäste wirken jedoch nicht wie typische Kirchgänger, tatsächlich wollen sie zur dritten Nexthamburg-Session "Next City – Wie soll die Stadt in 20 Jahren aussehen?".
Die Kirche mit ihrem direkten Umfeld steht geradezu symbolisch für die emotional geführte Diskussion zur Entwicklung des Hamburger Stadtkerns, der zwischen Business-Lofts, Flagship-Stores und "gesichtsloser Investorenarchitektur" ein bisschen auf der Suche nach seiner eigenen Seele zu sein scheint. Diese Partnerschaft von Nexthamburg und seiner "Web-2.0-Community" und der Kirchengemeinde und der ihr verbundenen Hamburger Bürgergesellschaft ist daher keineswegs zufällig und beflügelt mit ihren Gegensätzen die Diskussion. Die Nexthamburg-Dekoration in signalgelb kontrastiert jedoch auch optisch gut mit der Backsteingotik des Kirchenschiffs. An zehn Quartiersmodelltischen, mit denen der gesamte Hamburger Stadtkern abgedeckt ist, wird bei Bier und gesponsorten Käsestangen diskutiert und gebastelt.
Bauliche Ideen fallen auf den Modellen zuerst ins Auge: Die Überwindung der "städtebaulichen Sünde" der Ost-West-Straße mit Brücken und Tunneln, Gebäudeaufstockungen für Wohnen oder Dachgärten auf den Hochhäusern des Bezirksamts Mitte. Die Meinungen sind dabei durchaus kontrovers: "Bloß nicht so eine kleinteilige Altstadt-Imitation, wir sind doch hier nicht in Lübeck!" , kommentiert ein Teilnehmer die Ideen für neue Wohnformen in der Altstadt. Es geht jedoch nicht nur um bauliche Dinge. Vom Open-Air-Sound-System rund um die Binnen-Alster über ein dichtes "Netz der Nachbarschaften" am Jungfernstieg bis zu Möglichkeiten zur Bienenhaltung für Stadtimker finden sich viele Ideen, in denen vor allem das städtische Lebensgefühl der Hamburger zum Ausdruck kommt.
Auch die in Hamburg außergewöhnlich hohe Diskussionsintensität über Stadtentwicklung ist Bestandteil dieses typisch hanseatischen Bürgergeistes. Nexthamburg hat die richtigen Themen, neue Technologien und kreative Methoden und ist so mit der dritten Session mitten in der Stadt angekommen.

