Ziel des Projekts
Seit seine Gestaltung Ende des 19. Jahrhunderts erstmals zum Gegenstand der Planung wurde, hat der Benölkenplatz viele Namen getragen und viele Überformungen erfahren. Die zuletzt hinzugekommenen Gestaltungselemente der 1960er Jahre hatten sich sowohl hinsichtlich ihrer Funktion als auch hinsichtlich der heutigen Nutzung überlebt: Gesucht wird nun nach einem Konzept, das die Aufenthaltsqualität für die Bewohner im angrenzenden Quartier ebenso verbessert wie für die Besucher und Mitarbeiter des 2007 neu entstandenen Justizzentrums und vor allem für die Schüler und Lehrer der fünf Schulen im Quartier.
Aufgabe
Benölkenplatz - Verbindung zur Innenstadt
Quelle: Stadt Bocholt
Die nördlichen Randlagen des Innenstadtkerns von Bocholt sind seit Ende der 1990er Jahre gegenüber dem Süden ins Hintertreffen geraten. Für die Aufwertung dieses Areals spielt die Revitalisierung des Benölkenplatzes eine zentrale Rolle: Der Platz, einst als Viehmarkt genutzt und um die Jahrhundertwende als großzügiger Gründerzeitplatz gestaltet, präsentierte sich zuletzt als baufälliges Relikt einer typischen Freiraumgestaltung der 1960er Jahre mit Waschbeton und Wasserspielen. Seine Akzeptanz bei der Quartiersbevölkerung, aber auch bei anderen möglichen Nutzergruppen, war deutlich gesunken. Im Zuge von dringend notwendigen Tiefbauarbeiten an Kanalisation und Leitungssystemen wurde der Platz im Frühjahr 2010 vollständig beräumt und ist seitdem Baustelle.
Gemeinsam mit den anliegenden Interessengruppen soll nun eine Platzgestaltung entwickelt werden, die erstens das schulische Leben in den öffentlichen Raum holt. Das soll z.B. durch die städtebauliche Verbindung einer neuen Schulmensa und den an der gegenüberliegenden Platzkante liegenden Schulen geschehen. Die Gestaltung des Benölkenplatzes soll seiner Funktion als Treffpunkt und Begegnungsort der Bildungseinrichtungen besser gerecht werden. Zweitens sind denkmalpflegerische Kriterien zu berücksichtigen, denn der Platz war historisch Vorplatz für das Amtsgerichtsgebäude von 1911 und soll diese Funktion für das jetzt in Erweiterung des Gerichtsgebäudes entstandene Justizzentrum wieder übernehmen. Drittens sind verkehrliche Aspekte zu berücksichtigen: Kfz-Aufkommen einer Hauptverkehrsstraße und der mit dem Schulbetrieb verbundene Rad- und Fußgängerverkehr sollen nicht in Konflikt geraten, sondern – ggf. durch ein Shared-Space-Konzept - sinnvoll in Einklang gebracht werden. Viertens soll eine Verbindung zwischen dem Benölkenplatz und dem Langenbergpark als größter innerstädtischer Grünanlage der Stadt Bocholt hergestellt werden.
Die Planung an diesem Standort ist kompliziert: Noch nicht abgeschlossene übergeordnete Planungen beeinflussen die konkreten Anforderungen an den Platz erheblich. Zudem ist nach dem Rückzug eines privaten Investors, der eine neue Schulmensa im Zusammenhang mit einem Hotelneu-bau errichten wollte, auch eine finanzielle Säule weggefallen.
Umsetzung
Workshop
Quelle: Stadt Bocholt
Zunächst wurde in Bocholt Freiraum für die neuen Ideen für den Benölkenplatz geschaffen: Die unzeitgemäßen Aufbauten wurden abgerissen, die Fläche beräumt. Eine Machbarkeitsstudie zum Thema Shared Space und Vorplanungen zur Verkehrslenkung, Platzwiederherstellung und Grün- und Freiraumplanung schaffen die inhaltlichen Grundlagen. Die Stadt Bocholt nutzt die Chancen der derzeitig offenen Situation und hat im April und Mai 2010 mehrere Workshops und öffentliche Diskussionsveranstaltungen durchgeführt. Im nächsten Schritt werden die Vorstellungen und Wünsche potenzieller Nutzer ermittelt: Von Workshops mit Politik, Schulen, Justizzentrum, Investor sowie der lokalen Immobilien- und Standortgemeinschaft werden zahlreiche Ideen erwartet. Die Bocholter können dabei auf etablierte Strukturen und eine funktionierende Kommunikation aufbauen.
Nach einer intensiven Diskussion in Kommunalpolitik und Stadtöffentlichkeit mit einer großen Informations- und Diskussionsveranstaltung im Mai 2010 wurde im November 2010 der Rahmenplan als Grundlage der weiteren Entwicklung von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Diese durch die Nationale Stadtentwicklungspolitik mitfinanzierten Maßnahmen schaffen die Voraussetzung dafür, dass ab Sommer 2011 mit der Umsetzung der Platzgestaltung begonnen werden kann.
Als gründerzeitliche Platzanlage mit vielfacher Überformung, die den heutigen Nutzungsanforderungen nicht mehr entspricht, zeigt der Benölkenplatz beispielhaft den Anpassungsbedarf des urbanen Freiraums. Für den Handlungsschwerpunkt Baukultur der Nationalen Stadtentwicklungspolitik ist die prozessuale Gestaltung unter Einbeziehung von Denkmal- und Nutzungsaspekten und unter Beteiligung aller relevanten Akteure daher ein wichtiges Beispiel.
Die Ergebnisse werden zeigen, welchen Stellenwert attraktive urbane Freiräume für die Baukultur, aber auch als Begegnungsort der Stadtgesellschaft haben. Nicht zuletzt zeigt das Pilotprojekt aber auch die Rolle von Bildung für die Stadtentwicklung. Die Erfahrungen des Bocholter Pilotprojektes sollen in einem abschließenden Workshop mit Projekten aus anderen Städten, die an der Schnittstelle zwischen Bildungspolitik und Stadtentwicklung angesiedelt sind, diskutiert werden.

