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Probewohnen – Zurück in die Gründerstadt

Gründerzeitquartier Gründerzeitquartier"Die Stadt lieben und neu sehen lernen heißt, die alte Stadt zum Wohnen ausprobieren." (Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer, TU Dresden); Quelle: TU Dresden

Ziel des Projekts

Das Projekt "Probewohnen" ermöglicht unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohnern aus Stadtrandsiedlungen eigene Wohnerfahrungen in Gründerzeitquartieren.

Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, dem Stadtplanungs- und Bauordnungsamt Görlitz und der WBG Wohnungsbaugesellschaft Görlitz sucht das Görlitz Kompetenzzentrum nach Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Wie lassen sich die Liebe und Wertschätzung für Gründerzeitquartiere in ostdeutschen Städten erhöhen?
  • Wie lassen sich Vorurteile gegenüber Gründerzeitquartieren durch Methoden der Selbsterfahrung abbauen?
  • Welcher Handlungsbedarf ergibt sich aus den Wohnwünschen der Stadtrandbewohnerinnen und Stadtrandbewohner für das Wohnumfeld in innerstädtischen Wohnquartieren?

Aufgabe

In den Gründerzeitquartieren vieler ostdeutscher Städte ist ein überdurchschnittlicher Leerstand zu verzeichnen. Hierfür gibt es viele Ursachen, auch historisch bedingte. Angesichts des hohen baukulturellen Wertes der Bestände ist eine Verbesserung ihres Images und ihrer Wohnumfeldqualitäten von großer Bedeutung für ihre zukünftige Erhaltung und Nutzung.

Die WBG stellt aus ihren Beständen Gründerzeitwohnungen mit unterschiedlichen Standards zum "Probewohnen" zur Verfügung. Jeweils eine Woche lang können Interessierte dort den Alltag erproben und ihr Bild von den Qualitäten und Defiziten der Gründerzeitquartiere überprüfen.

Eine wichtige Aufgabe ist die Herstellung einer größeren Öffentlichkeit für das Thema des Projektes, da es über die Stadt Görlitz hinaus für verschiedene Zielgruppen in anderen ostdeutschen Städten interessant ist. Das Projekt wird deshalb von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

Umsetzung

Das Pilotprojekt umfasste vier Aufgabenfelder:

Wohnungen auswählen: Gemeinsam mit den Kooperationspartnern WBG und dem Stadtplanungs- und Bauordnungsamt Görlitz wurden zwei für den Leerstand in Görlitz repräsentative 3-Zimmer-Wohnungen in Gründerzeitquartieren ausgesucht. Für die Möblierung der Wohnungen konnte IKEA Deutschland gewonnen werden.

Bewohner finden: Für die erste Probewohnphase haben sich insgesamt 126 Personen in 63 Haushalten aus ganz Deutschland beworben. Aus diesen wurden die Teilnehmer für den ersten Zeitraum in persönlichen Auswahlgesprächen ermittelt. 13 Haushalte wurden für die erste Probewohnphase inkl. Pretest ausgewählt (vier Familien mit Kindern, sechs Alleinstehende, drei Paare verschiedener Altersgruppen). Für die zweite Probewohnphase lagen Bewerbungen von 465 Personen aus 259 Haushalten vor. Davon wurden zwölf Haushalte ausgewählt (zwei Familien mit Kindern, fünf Alleinstehende, fünf Paare verschiedener Altersgruppen).

Erfahrungen sammeln: In zwei Zeiträumen à sechs Wochen konnten insgesamt 24 Haushalte jeweils eine Woche lang in den Wohnungen leben. Das Probewohnen begann und endete jeweils am Sonntag. Um das Wohngefühl zu optimieren, durfte jeder Bewohner zwei Lieblingsmöbelstücke mitbringen. Der An- und Abtransport der Lieblingsmöbel wurde von den Projektverantwortlichen organisiert. Die Teilnehmer nahmen an einer sozialwissenschaftlichen Begleitstudie teil, die insbesondere die Auswirkungen des einwöchigen Probewohnaufenthalts auf das Meinungsbild der teilnehmenden Personen untersuchte.

Erfahrungen weitergeben: Für das Projekt gab es eine differenzierte Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit - sowohl bei den Vorbereitungen als auch während und nach den Probewohnphasen. Das Projekt wurde medienwirksam in Text und Bild dokumentiert. Außerdem entstand ein künstlerischer Dokumentarfilm von der Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT aus Dresden (siehe Video in der rechten Spalte). Die Filmdokumentation umfasst die verschiedenen Projektphasen im Jahr 2008 von der Aktion "Wanderndes Wohnzimmer" bis zum ersten Probewohnzeitraum. In einem ersten Arbeitsschritt wurde zudem ein kurzer Videoclip erstellt, der auf der Website des Projekts heruntergeladen werden kann. Der weitere Verlauf des Projekts wurde ebenfalls filmisch dokumentiert. Ein 40-minütiger Dokumentarfilm wurde am 8. Oktober 2009 im Apollo Theater in Görlitz erstmals vorgeführt.

Fazit

Angebote wie das Probewohnen können dazu führen, dass sich persönliche Bilder durch subjektives Erleben verändern und (inner)städtische Wohnqualitäten neu entdeckt werden. Interessenten wird die Möglichkeit geboten, unverbindlich in das Leben in der Stadt hinein zu schnuppern und eigene Wohnerfahrungen zu sammeln. Gerade Teilnehmern, die über einen Umzug nachdenken oder bereits fest entschlossen sind, ihre Wohnsituation zu verändern, können solche Angebote eine Hilfe bieten. Das Probewohnen kann die Entscheidungsfindung zugunsten – aber auch gegen – Gründerzeitquartiere erleichtern. Diese Offenheit gegenüber den persönlichen Eindrücken, Meinungen und Entscheidungen der Bewohner bildet die Grundlage für den Erfolg und die Akzeptanz des Projekts. Der Grundgedanke des Probewohnens – also das selbst Ausprobieren, Erleben und Erfahren – kann auch in anderen Handlungsfeldern der Stadtentwicklung helfen, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen oder die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themenfelder zu lenken.

Durch die Projektpartner wurde die Laufzeit als Pilotprojekt der Nationale Stadtentwicklungspolitik genutzt, ihre Idee im Erfahrungstest zu erproben und weiterzuentwickeln. Das Projekt konnte anschließend erfolgreich in eine eigenwirtschaftliche Finanzierung überführt werden. Unter Federführung der WBG wird es als "Probewohnen Version 2" in leicht modifizierter Form fortgeführt. In diesem Zusammenhang wird auch die wissenschaftliche Begleitstudie des Görlitz Kompetenzzentrum fortgesetzt. Bis Oktober 2016 läuft die Fortsetzung des Projektes "Probewohnen Görlitz Altstadt". Partner sind die städtische Wohnungsbaugesellschaft Kommwohnen, die Stadt Görlitz und das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS).

Zusatzinformationen

Projektträger

  • Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS)

Ansprechpartner

  • Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS)
    Gottfried-Kiesow-Platz 1 02826 Görlitz
  • Dr. Stefanie Rößler
    Dipl.-Geogr. Constanze Zöllter

    Telefon: 03581 7924790
    E-Mail-Adresse: probewohnen@ioer.de

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