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Bildung als Motor der Quartiersentwicklung – Bildung als Standortfaktor

Die Nachbarschaft des Planungsgebiets Die Nachbarschaft des Planungsgebiets"Wenn Bildung der Schlüssel zur Chancengleichheit in unserer Gesellschaft ist, dann gilt das auch für die Chancengleichheit der Stadtteile." (Prof. Dr. Christina Simon, Hochschule für Technik, Stuttgart); Quelle: Hochschule für Technik, Stuttgart

Das Projekt zeigt, wie wichtig die Vernetzung qualifizierter Betreuungs- und Bildungsangebote mit familiengerechten Wohnungsangeboten in der Stadt ist. Erklärtes übergeordnetes Ziel ist die Übertragbarkeit des Konzeptes auf ähnliche Projekte.

Ziel des Projekts

Das Projekt zeigt, wie wichtig die Vernetzung qualifizierter Betreuungs- und Bildungsangebote mit familiengerechten Wohnungsangeboten in der Stadt ist. Erklärtes übergeordnetes Ziel ist die Übertragbarkeit des Konzeptes auf ähnliche Projekte.

Aufgabe

In der Bundesrepublik gibt es zahlreiche modellhafte Ansätze für familiengerechtes Wohnen in der Stadt sowohl in Bezug auf Gebäude und Wohnumfeld als auch hinsichtlich der Vorgehensweise bei der Planung. Kaum Beachtung hat bisher jedoch die Qualität des Bildungs- und Betreuungsangebots gefunden, obwohl gerade diese mit entscheidend für eine auf Dauer angelegte, sozial ausgewogene Stadterneuerung ist. Um Stadtteile insgesamt für Familien und junge Paare in der Familiengründung attraktiver zu machen, müssen neben den Investitionen in bauliche Maßnahmen die Betreuungs- und Bildungsangebote ausgebaut und verbessert werden.

Umsetzung

Ort der Untersuchung ist der "NeckarPark" in Bad Cannstatt. Das ehemalige Güterbahnhofsareal ist mit rund 22 ha die größte innerstädtische Brachfläche der Stadt Stuttgart.Die städtebauliche Entwicklung dieser Fläche nahmen die Projektbeteiligten zum Anlass, Strategien zu entwickeln und zu erproben, wie sich qualitätsvoller Wohnungsbau mit der Qualifizierung des Bildungsangebots insbesondere im Vor- und Grundschulbereich besser verzahnen lässt. Mit der frühzeitgen Planung und Ansiedlung hochwertiger Bildungseinrichtungen sollen gezielt Bevölkerungsschichten angesprochen und gewonnen werden, die ansonsten nicht in innerstädtische Quartiere ziehen würden. Das Betreuungs- und Bildungsangebot soll damit zu einem positiven Standortfaktor entwickelt werden. Mit in den Prozess eingebunden waren eine Steuerungsgruppe aus lokalen Elternvertretern und Fachkräften, Vertretern der gesamtstädtischen Perspektive sowie ein im Zuge des Projekts aufgebautes Bildungsnetzwerk. Moderiert wurde der Prozess von der Hochschule für Technik.

Die Verbesserung und Ergänzung der bestehenden Nahtstellen zu den umgebenden Quartieren wurde ebenfalls im Projekt bearbeitet. Hier geht es vor allem nicht nur um eine Aufwertung der Schulwege und um Empfehlungen für kindgerechte Wegebeziehungen, sondern auch um die Kooperation der Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Bessere Betreuungs- und Bildungsmöglichkeiten sollen zwar ein Standortkriterium für die künftigen Bewohner des neuen städtischen Wohnquartiers werden; sie sind aber keinesfalls als exklusives Angebot zu verstehen. Das Projekt ist in eine Gesamtstrategie eingebettet, die die Betreuungs- und Bildungsangebote der umgebenden Einrichtungen und Grundschulen einbezieht. Auch die Familien der benachbarten Quartiere sollen von dem Projekt profitieren.

In einem Gutachterverfahren im Auftrag der Stadt Stuttgart wurden im Frühsommer 2008 sechs städtebauliche Entwürfe für das Projektgebiet ausgearbeitet. Ein lebendiges Stadtviertel mit gemischten Nutzungen, innovativen Bildungs- und Betreuungsangeboten und einem zukunftsorientierten Niedrigenergiekonzept soll entstehen. Bewertungskriterien waren auch die Anforderungen der Modellprojekte "Bildung als Standortfaktor" und "LowEnergy als Standortfaktor". Der modifizierte Siegerentwurf wird in einem Bebauungsplan umgesetzt.

Ergänzend fand gemeinsam mit dem Projekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik Wohnen am Veielbrunnen – LowEnergy als Standortfaktor eine Projektwoche an der Hochschule für Technik statt. Rund 330 Studierende entwickelten Ideen zur Verknüpfung der Themen Energie und Bildung und gaben kreative Anregungen für die Modellvorhaben sowie für die Realisierung der Bauvorhaben.
>> weitere Informationen zum Projekt "Wohnen am Veielbrunnen"


Weiterhin ging es darum, ein pädagogisches Konzept, ein räumliches Programm für die Bildungseinrichtungen und einen Kriterienkatalog für die Auslobung eines Architekturwettbewerbs zu erarbeiten. Nach der Auswertung eines Expertenhearings bestand Einigkeit darüber, dass es sich um eine staatliche Ganztagesgrundschule mit zusätzlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten im Vorschulbereich und zusätzlichen Angeboten für Erwachsenenbildung im Sinne eines Bildungshauses handeln soll.

Bei der fachlichen Arbeit wurde der Projektträger durch zwei Arbeitsgruppen unterstützt. Während eine Beteiligung der Bewohner des benachbarten Stadtteils durch eine Befragung durchgeführt wurde, stellte die Beteiligung der künftigen Bewohner eine besondere Herausforderung dar, da diese noch nicht bekannt sind. Nach einer Literaturanalyse zu Wohnwünschen und Lebensstilgruppen wurde eine Umfrage bei Familien in vier Neubaugebieten in Stuttgart mit ähnlichen Umfeldbedingungen sowie eine Expertenbefragung zum Thema Standortentscheidung und Stellenwert der Themen Bildung und energetisches Bauen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragungsformen sind zwar nicht repräsentativ, erlauben jedoch eine annähernde Vorstellung der möglichen Bewohner. Die Befragung ergab auch, dass der Ruf eines Quartiers eine Rolle bei der Wahl des Wohnstandortes spielt. Dies ist eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf Imagebildung und Bewohnergewinnung.

Fazit

Dadurch dass das Projekt in einer sehr frühen Planungsphase eingesetzt hat, hat es Raum für Visionen eröffnet. In der Regel werden Fragen der Stadtentwicklung getrennt von der Schulentwicklung betrachtet. Hier wurde jedoch von Beginn an eine integrierte, vorausschauende kooperative Planung verfolgt. Die Überlegungen für die Bildungseinrichtungen setzten bereits ein, ehe ein städtebaulicher Entwurf vorlag. Das Projekt bot damit die Chance, pädagogische, bauliche und städtebauliche Konzepte miteinander zu verknüpfen. So wurde bereits im Rahmen des städtebaulichen Gutachterverfahrens die Bedeutung des Themas Bildung bewusst gemacht und den Wettbewerbsteilnehmern eine Kriterienliste zu den Anforderungen an die künftigen Bildungseinrichtungen an die Hand gegeben. Städtebauliche Planungen sollten vor dem Hintergrund einer sozial gerechten Stadtentwicklung künftig mehr auf ihre Auswirkungen auf Kinder und Familien geprüft werden – dazu gehört auch das Thema Bildung.

Im Verlauf des Pilotprojekts hat sich gezeigt, dass neue pädagogische Konzepte eine vorausschauende kooperative Planung unter Einbindung aller betroffenen Akteure und Ebenen erfordern. Bei Neuplanungen für private Schulträger werden in der Regel die zukünftigen Leitungen der Einrichtungen sowie Pädagogen bereits einbezogen. Bei staatlichen Einrichtungen ist dies nicht möglich, da Leitung und Kollegium noch nicht bekannt sind. In Stuttgart wurden aus diesem Grunde Fachleute aus Bildung und Planung sowie aktive Gruppen (Gemeinwesenarbeit, Kirchen, Einrichtungen) vor Ort einbezogen, um über die Ausgestaltung des Bildungsangebots im neuen Stadtteil zu diskutieren. Durch die Einbindung benachbarter Bildungseinrichtungen waren frühzeitig Ansprechpartner vorhanden, die die Situation im Stadtteil kennen und die bereits an vorhandenen Netzwerken partizipieren. So konnten die Erfahrungen und Ideen, Wünsche und Vorstellungen von Vertretern aus Bildung, Gemeinwesenarbeit, Politik und Planung frühzeitig in die Bearbeitung des Projekts aufgenommen werden.

Zusatzinformationen

Projektträger

  • Landeshauptstadt Stuttgart

Ansprechpartner

  • Landeshauptstadt Stuttgart
    Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung
    Eberhardstraße 10 70173 Stuttgart
  • Telefon: 0711 8926 - 2616
  • Martin HolchMartin Holch

    Telefon: 0711 216 - 20315
  • Hochschule für Technik Stuttgart
    Fakultät Architektur und Gestaltung
    Fachgebiet Städtebau und Stadtplanung

    Schellingstraße 24 70174 Stuttgart
  • Christina Simon-PhilippChristina Simon-Philipp

    Telefon: 0711 8926 - 2616
  • Telefon: 0711 8926 - 2647

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