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GÖ schafft´s – Gemeinsame Öffnung schafft sinnvolle Perspektiven

Stadtteilarbeit mit Jugendlichen im offenen Vollzug und Senioren aus dem Stadtteil Leineberg, Göttingen

Stadtteilfrühstück als Auftaktveranstaltung des Pilotprojekts Bildhauerworkshop in der JugendanstaltSonnensteine: Bildhauerworkshop in der Jugendanstalt Göttingen mit Bettina Zech (JA), Michael Artmann (Leineberger, Steinbildhauer und Polizeibeamter) und Inhaftierten Quelle: André Wenzel

"Der Schlüssel für ein gutes Miteinander in Sozialräumen ist das gemeinsame Handeln, unabhängig z. B. vom Alter oder der Herkunft. Dafür ist gegenseitiges Kennen und Verstehen eine zentrale Voraussetzung.“ (Projektteam GÖ schafft´s)

Im Projekt "GÖ schafft´s" treffen Jugendliche im offenen Vollzug und ältere Menschen zusammen und werden gemeinsam aktiv. Über verschiedene Veranstaltungen und Aktionen werden beide Gruppen in Kontakt gebracht, um Vorbehalte abzubauen und neue Perspektiven für das Zusammenleben zu entwerfen.

Ziele

Im Göttinger Stadtteil Leineberg leben Jugendliche im offenen Vollzug und ältere Menschen in direkter Nachbarschaft. Das Projekt "GÖ schafft´s" will zu einem besseren Zusammenleben der beiden Gruppen beitragen. Ziel ist die Förderung von Kommunikation, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung durch gemeinsame Aktivitäten. Mit intergenerativen Methoden sollen sich für Senioren und Jugendliche neue Perspektiven ergeben. Neben Empowerment für alle Beteiligten geht es um gegenseitige Impulse. Senioren können ihr Erfahrungs- und Lebenswissen aktiv einbringen und weitergeben. Junge Inhaftierte unterstützen Ältere im Alltag und machen positive Erfahrungen außerhalb der Hafträume. Die Verstetigung der Aktivitäten über den Projektrahmen hinweg steht dabei von Anfang an im Fokus der Beteiligten.

Umsetzung

Außenansicht der Jugendanstalt in Leineberg Außenansicht der Jugendanstalt in LeinebergAußenansicht der Jugendanstalt in Leineberg Quelle: Dr. Harmut Wolter, Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

"GÖ schafft´s" arbeitete mit verschiedenen partizipativen Formaten. Ein öffentliches Stadtteilfrühstück für die Bewohner des Leinebergs stellte den Auftakt dar, um für das Projekt Aufmerksamkeit zu gewinnen. Aufbauend auf einer Bedarfsermittlung erfolgte im Projektverlauf die Entwicklung konkreter Begegnungsangebote. Dies erfolgte gemeinschaftlich durch die beteiligten Institutionen, dem Nachbarschaftsverein Leineberg, der Freien Altenarbeit Göttingen, der Jugendhilfe Göttingen, der Jugendanstalt und weiteren.
So entstanden diverse Aktivitäten. Der Stadtteilbrunch fand halbjährlich im Wechsel entweder in den Räumen des Stadtteilbüros oder in der Jugendanstalt statt. Im Projektverlauf haben jeweils zwischen 40 bis 70 Personen daran teilgenommen. Bei „Leinefischer im Netz“ handelt es sich um einen Computerkurs für ältere Leineberger, die von den Jugendlichen aus dem offenen Vollzug Unterstützung bei der Bearbeitung von Fragestellungen des Kurses erhalten. Angeboten wurde zudem ein Steinbildhauer-Workshop, der in einem ersten Schritt als Wochenendkurs für die Jugendlichen im offenen Vollzug und in einer zweiten Auflage auch für alle Leineberger stattfand.

Seit Dezember 2015 wird regelmäßig einmal im Monat ein Reparaturcafé in den Räumen des Stadtteilbüros angeboten. Es kamen in der Regel zwischen sechs bis zehn Reparateure und zwei bis vier Jugendliche zu diesen Terminen, um elektronische und mechanische Geräte, Spielsachen oder Haushaltsgegenstände zu reparieren. Die Reparaturcafés wurden mit der Zeit nicht nur von Leinebergern besucht, sondern auch von Gästen aus dem gesamten Stadtgebiet. Auf die Bitte von Leinebergen, nur ein kleines Problem am Handy oder Computer besprechen zu können, ohne z. B. einen Kurs bei den Leinefischern im Netz mitzumachen, entstand als ergänzendes Angebot für das Reparaturcafé, die Handy- und Computersprechstunde.

Die Wertediskussion war ein weiteres Format mit dem Ziel, in einer wertschätzenden Atmosphäre ein ausgewähltes und vorbereitetes Thema aus den unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden zu diskutieren. Themen waren hierbei beispielsweise Respekt und Verbindlichkeit oder Nachhaltigkeit. Auf Anregung der Jugendlichen entstand außerdem die Idee, dass ältere Leineberger in die Jugendanstalt kommen, um den Jugendlichen z.B. Doppelkopf beizubringen.

Ergebnis

Jugendlicher im Gespräch mit den Senioren beim Stadtteilfrühstück Jugendlicher im Gespräch mit den Senioren beim StadtteilfrühstückJugendlicher im Gespräch mit den Senioren beim Stadtteilfrühstück Quelle: Dr. Harmut Wolter, Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

Alle durchgeführten Aktionen im Projekt sind in ihrer Bedeutung für die Gestaltung des Zusammenlebens vor Ort nicht zu unterschätzen, ermöglichen sie doch ein zwangloses Begegnen in einem alltäglichen Rahmen, bei dem bestehende Vorbehalte und Verunsicherungen überwunden werden können. Das Projekt ist auf diese Weise dem negativ geprägten Bild von straffällig gewordenen Jugendlichen erfolgreich entgegengetreten. Und bei den Menschen auf dem Leineberg entsteht nach und nach das Selbstverständnis, dass die Jugendanstalt und die jungen Inhaftierten genauso zum Stadtteil gehören.
Dass sich alle Partner gemeinsam zur Fortführung des Projekts auch nach der Förderung entschlossen haben, ist ebenso ein Erfolg des Projekts. Die gegenseitige Öffnung wurde als notwendiger Prozess erkannt, an dem es weiter zu arbeiten gilt. Damit ist in Deutschland ein einzigartiges Modell der Zusammenarbeit einer Jugendanstalt mit dem umgebenden Quartier entstanden. 2017 wurde das Projekt mit dem Landespreis Niedersachsen des Deutschen Nachbarschaftspreises ausgezeichnet.

Zusatzinformationen

Projektträger

  • Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

Ansprechpartner

  • Freie Altenarbeit Göttingen e.V.
    Am Goldgraben 14 37073 Göttingen
  • Hartmut WolterHartmut Wolter

    Telefon: 0551 43606

Projektpartner

  • Stadtteilbüro Leineberg
    Allerstraße 32 37081 Göttingen
  • Jugendanstalt Hameln
    Abteilung Offener Vollzug Göttingen
    Rosdorfer Weg 76 37081 Göttingen
  • Jugendhilfe Göttingen e.V.
    Untere Karspüle 4 37073 Göttingen

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