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Nationale Stadtentwicklungspolitik

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Altdöbern-Pritzen „Dorferneuerung“

Nach dem Ende des Braunkohleabbaus im Jahre 1992, blieb der Ort Pritzen auf einer Landzunge inmitten des Kohleabbaugebietes „Greifenhain“ zurück. Im Zuge der Rekultivierung ehemaliger Bergbauflächen wird mittlerweile die Landschaft saniert und das Dorf erneuert. Wesentliche Impulse für eine nachhaltige Revitalisierung des Ortes sind von temporären Kunst-Aktivitäten ausgegangen. Sie trugen mit dazu bei, dass der bereits aufgegebene Ort eine neue Perspektive erhielt.

Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Kontext

Seit 1937 wurde im Niederlausitzer Tagebaugebiet „Greifenhain“ Braunkohle gefördert. Vor diesem Hintergrund wurde in den Jahren 1959 - 1961 die Umsiedlung des Ortes Pritzen vorbereitet. Die Ortsverlegung war in zwei Etappen für die Jahre 1982/83 und 1988/89 vorgesehen. Als der Tagebau infolge des Wandels in der Energie- und Umweltpolitik im Jahr 1992 stillgelegt wurde, waren Dreiviertel des Gemeindegebietes abgebaggert. Die meisten der ehemals 470 EinwohnerInnen hatten das Dorf verlassen.

Projektbeschreibung

Die Lausitzer Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH verpflichtete sich im Rahmen der Sanierung der Tagebaugebiete zur Rekultivierung der Landschaft und zur Erneuerung der Ortschaft Pritzen. Bereits im Zuge der ersten Dorferneuerungsmaßnahmen kehrte ein Teil der umgesiedelten Bevölkerung zurück. Heute leben wieder über 70 Menschen in Pritzen.

Seit 1998 wird das Tagebauloch geflutet. Spätestens 2015 wird der Ort an drei Seiten von Wasser umgeben sein. Die neuen Uferzonen sowie ein umlaufender Fuß- und Radweg als Uferpromenade sind im Rahmen der Rekultivierungsmaßnahmen bereits angelegt worden. Damit erhält der Ort einen hochwertigen Freiraum.

Sichtbare Zeichen einer nachhaltigen Dorfrevitalisierung sind der Neubau von fünf Wohnhäusern sowie vielfältige Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Dazu zählen die Sanierung 17 privater Wohngebäuden, die Errichtung eines Glockenturms als Ersatz für die abgerissene Dorfkirche (1994) sowie der von der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land initiierte Umbau der ehemaligen Dorfgaststätte zum Bürgerhaus. Die dort stattfindenden Veranstaltungen werden von Einheimischen und Gästen gleichermaßen gut angenommen.

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung wird die Lebensqualität für die BewohnerInnen weiter verbessert. Darüber hinaus soll die Attraktivität des Ortes für BesucherInnen erhöht werden; denn der Tourismus gilt als wichtigstes Element für die ökonomische Zukunft der Niederlausitz.

Durch die exponierte Lage auf der Landzunge inmitten des Tagebaugebietes wurden auch KünstlerInnen angezogen. Eine vom Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V. veranstaltete "Biennale“ beschäftigte sich mit dem Ort und der angrenzenden Tagebaulandschaft. Dabei sind 20 Kunstobjekte aus Holz, Stein, Sand und Metall als Land-Art-Elemente geschaffen und dem Ort als Dauerausstellung überlassen worden.

Mittlerweile sind mehrere Kulturschaffende im Ort ansässig geworden; sie haben die so genannte „Kunstscheune" eröffnet, die Kultur- und Dorfgeschichte präsentiert. Es wurde die Veranstaltungsreihe „Pritzen lebt Kunst“ ins Leben gerufen, um den Ort unter Einbeziehung aller BewohnerInnen zu einer festen Adresse für Kunst und Kultur zu machen.

Projektchronologie

JahrEreignis
bis 1989Umsiedlung großer Bevölkerungsteile von Pritzen
1992Stilllegung des Tagebaus Greifenhain
1993Beschluss zur Revitalisierung des Ortes
1993/1995„Europa-Biennale“
1998Aufnahme als Projekt der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land (IBA)
2001Internationaler IBA-Workshop „Werkstatt für neue Landschaften“
2002Offizielle Eröffnung des „Künstlerortes Pritzen“
Aug. 2003Eröffnung der „Kunstscheune“

Ziele

  • Revitalisierung eines entleerten Dorfes
  • Schaffung neuer Perspektiven für „alte“ und „neue“ BewohnerInnen
  • Demonstration der Veränderung einer Bergbaufolgelandschaft
  • Tourismusförderung in einer strukturschwachen ländlichen Region
  • Etablierung eines Ortes für Kunst und Kultur

Maßnahmen

  • Wohnungsneubau und -modernisierung
  • Herrichtung der ehemaligen Gaststätte zu einem Bürgerhaus
  • Bau eines Glockenturms als Ersatz für die abgerissene Dorfkirche
  • Umbau eines Bestandsgebäudes zum Veranstaltungs- und Ausstellungsraum „Kunstscheune“
  • Anlage einer Uferpromenade
  • temporäre und dauerhafte Kunst- und Kulturveranstaltungen und Ausstellungen

Innovationen

In Pritzen ist es gelungen - im Spannungsfeld zwischen Naturzerstörung und Dorfidylle - neue Perspektiven für den ländlichen Raum aufzuzeigen. Mit Hilfe künstlerischer Aktivitäten bei der Landschaftsgestaltung und Raumaneignung konnte eine Dorferneuerung angestoßen werden, die einen nachhaltigen Beitrag zu Stabilisierung und Weiterentwicklung strukturschwacher dörflicher Regionen leistet.

Quellen

  • IBA Fürst-Pückler-Land (2003): Der Weg, Altdöbern und Pritzen wieder zu verbinden. (see - Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land). Großräschen
  • Heinrich, Matthias; Kunstscheune Pritzen (2003): Pritzen lebt Kunst! Pritzen lebt Kunst? In: see - Das Magazin der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Heft 12, August 2003. Großräschen
  • o. Verf. (2003): Pritzen - ein Ort für Kunst. Bewohner und Künstler im Dialog. In: see - Das Magazin der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Heft 11, April 2003. Großräschen
  • o. Verf. (2002): Eröffnung des Bürgerhauses Pritzen. Ein Blues für Pritzen. In: see - Das Magazin der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Heft 8, Juni 2002. Großräschen
  • o. Verf. (2002): Eröffnung Künstlerort Pritzen. Präsentation der Biennale-Objekte. In: see - Das Magazin der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Heft 7, März 2002. Großräschen
  • see - Internationale Bauausstellung 2000-2010 (2002): Pritzen. Wiedergeburt eines Ortes. Großräschen
  • Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land 2000-2010 (o. J.): Künstlerort Pritzen. Niederlausitz. Großräschen
  • http://www.iba-see.de

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 03229 - Ort: Altdöbern-Pritzen

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/QTzZfzT4dZm

Letzte Änderung: 19.06.2017