Alle Neuigkeiten im Blog mehr erfahren

Nationale Stadtentwicklungspolitik

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

Erlauben

Navigation und Service

Berlin – Moabit "Stadtteilzentrum Turmstraße"

Das Gebiet um die Turmstraße ist der zentrale Versorgungsbereich in Berliner-Moabit. Das Stadtteilzentrum war Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre mit erheblichen Funktions- und Bedeutungsverlusten konfrontiert. Dieser Umstand veranlasste die Stadtentwicklung auf Senats- und Bezirksebene zu einer umfassenden Erneuerungsstrategie für diesen Bereich. Dabei geht es zugleich um die Wiedergewinnung funktionaler Vielfalt, um soziale Stabilisierung und städtebauliche Erneuerung.

Kontext

Karte des Projektgebiets Karte des Projektgebiets Quelle: Plan und Praxis GbR 2017, Kartengrundlage: OpenStreetMap, veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0

Der Versorgungsbereich von Moabit ist im Zentrenkonzept Berlins (3,47 Mio. Einwohner, Stand 2014) als Stadtteilzentrum ausgewiesen. Es erstreckt sich nördlich und südlich der Turmstraße. Das Funktionsspektrum ist durch Handel, Dienstleistungen und Wohnen geprägt. Die Gewerbebetriebe konzentrieren sich großenteils entlang der Turmstraße, die zugleich Hauptachse des Stadtteilzentrums ist und als überörtliche Hauptverkehrsstraße dient.

Auslöser für Funktions- und Bedeutungsverluste um die Jahrtausendwende war neben strukturellen Veränderungen eine zunehmende Konkurrenz durch andere Einkaufsstandorte. Zwar blieb der gewerbliche Leerstand insgesamt relativ gering; etliche Schlüsselbetriebe (Brauerei, Kaufhaus) und öffentliche Einrichtungen (Krankenhaus, Bibliothek, Schulen) wurden jedoch geschlossen. In der Folge siedelten sich überwiegend Dienstleistungen, Handel und Gastronomie mit geringerer Qualität und Wirtschaftskraft an. Zugleich stieg die Zahl der Spielhallen und Wettbüros. Dagegen gingen kulturelle Angebote verloren. Zudem wiesen die lokalen Grünanlagen vermehrt Gebrauchs- und Gestaltschwächen auf. Hinzu kam der starke Autoverkehr, der die Nutzbarkeit angrenzender Freiräume beträchtlich einschränkte.

Projektbeschreibung

Blick auf eine ehemalige Brauerei Blick auf eine ehemalige Brauerei Quelle: Plan und Praxis GbR 2014

Auf der Grundlage detaillierter Nutzungsanalysen entwickelten Senats- und Bezirksverwaltung einen weitreichenden Erneuerungsansatz für Funktionsvielfalt und Lebensqualität im Stadtteilzentrum. Zu diesem Zweck kombinieren sie förmliche und informelle Instrumente von lokaler und gesamtstädtischer Ebene. Das übergeordnete Entwicklungsziel der Nutzungsvielfalt aus Wohnen, Bildung, Kultur, Handel, Dienstleistung und Gastronomie ist im „Zentrumskonzept Turmstraße“ definiert. Diese Zielsetzung für das Stadtteilzentrum wird durch den Berliner „Stadtentwicklungsplan Zentren“ flankiert; darin sind Obergrenzen für die Verkaufsflächen in Stadtteilzentren festgesetzt. Diese Restriktion trägt dazu bei, dass sich mit neuen Bauvorhaben weitere Nutzungen etablieren lassen, die die Angebotsvielfalt stärken. Zur Absicherung der Erneuerungsziele wurde das Gebiet an der Turmstraße als Sanierungsgebiet gemäß § 142 BauGB ausgewiesen. Vorlaufend waren vorbereitende Untersuchungen gemäß § 141 BauGB und zahlreiche Baupotenzialanalysen durchgeführt sowie ein integriertes Entwicklungskonzept erstellt worden. Die diversen Planwerke enthalten die Funktionsvielfalt als Hauptziel der Gebietserneuerung.

Dem Ausbau der Nutzungsvielfalt dienen vor allem Bestandsgebäude, indem diese revitalisiert und umgenutzt werden. So etablierte sich in einem ehemaligen Kaufhaus eine vielfältige Nutzungsmischung. Im früheren Krankenhaus Moabit entstand ein Gesundheits- und Sozialzentrum. Im Komplex einer brach gefallenen Brauerei entstehen Einkaufszentrum und Hotel.

Parallel werden auch bestehende Einrichtungen neu profiliert, so etwa eine Markthalle für regionalen Lebensmittelhandel, Kunsthandwerk, Gastronomie und Kulturveranstaltungen. Solche öffentlich zugänglichen Angebote stehen ebenso wie Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft im Fokus des Multifunktionsansatzes. So gibt es nach dem Umbau des Brüder-Grimm-Hauses nunmehr eine zentrale Institution für Kultur und Bildung, die zugleich bestehende Sozialeinrichtungen stärkt.

Spielhaus im Otto-Park Spielhaus im Otto-Park Quelle: Plan und Praxis GbR 2014

Die Maßnahmen zur Funktionserweiterung innerhalb von Gebäuden werden mit Projekten der Funktionsergänzung und Umgestaltung in öffentlichen Außenräumen verbunden. So wurde im „Kleinen Tiergarten/Ottopark“ das Freizeit- und Erholungsangebot für diverse Nutzergruppen ausgebaut. In diesem Zusammenhang entstand beispielsweise auch ein pädagogisch betreuter Spielplatz mit Spielhaus.

Zur Umsetzung des komplexen Erneuerungsansatzes im Stadtteilzentrum Moabit gibt es seit 2010 eine so genannte Prozesssteuerung durch ein externes Planungsbüro. Diese Instanz fördert die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren und steuert den gesamten Prozess der Zentrumserneuerung. Zudem besteht seit 2011 ein Geschäftsstraßenmanagement, das die quantitative, qualitative und räumliche Entwicklung speziell des Einzelhandels im Verhältnis zu den anderen Nutzungen im Bereich der Hauptgeschäftsstraße lenkt. Für kleinere Sofortmaßnahmen, eine bessere Kommunikation und für die Kooperation im Stadtteilzentrum dient ein Verfügungsfonds.

Die Erneuerungsmaßnahmen im Stadtteilzentrum werden aus folgenden Programmen gefördert:

  • Städtebauförderung „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“
  • Städtebauförderung „Soziale Stadt“
  • Städtebauförderung „Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen“

Projektchronologie

JahrEreignis
2006Eröffnung des nahe gelegenen Hauptbahnhofs
2010Integriertes Entwicklungskonzept
2010Verkehrskonzept
2011Festlegung des Stadtteilzentrums als Sanierungsgebiet
2011Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans „Zentren“
2011Start des Geschäftsstraßenmanagements
2013Zentrumskonzept „Turmstraße“

Ziele

Blick auf das Brüder Grimm Haus Blick auf das Brüder Grimm Haus Quelle: Plan und Praxis GbR 2014

  • Etablierung des Stadtteilzentrums als räumlichen, funktionalen und identitätsstiftenden Kern
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Stadtteilzentrums
  • Stabilisierung und Ausbau der Nutzungsvielfalt
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
  • Verkehrsberuhigung

Maßnahmen

Blick auf das revitalisierte Hertie-Kaufhaus Blick auf das revitalisierte Hertie-Kaufhaus Quelle: Plan und Praxis GbR 2014

  • Revitalisierung gebietsprägender Gebäude
  • Umbau und Umnutzung eines Kaufhauses
  • Wohnungsbau
  • Umnutzung eines Krankenhauses zum Gesundheits- und Sozialzentrum
  • Erweiterung des Freizeit- und Erholungsangebots
  • Umgestaltung öffentlicher Freiräume und Spielplätze

Innovationen

Historische Markthalle Historische Markthalle Quelle: Plan und Praxis GbR 2014

Der Handlungsansatz an der Turmstraße zeichnet sich durch mannigfaltige Erneuerungsmaßnahmen und ein komplexes Instrumentenbündel aus. Dieses reicht von formell bindenden Regularien wie das Sanierungsrecht einschließlich Genehmigungsvorbehalt bis zum städtebaulichen Vertrag. Ergänzt werden diese durch projekt- und investitionsvorbereitende Schritte wie die Baupotenzialuntersuchungen sowie durch ein begleitendes Monitoring.

In dem differenzierten Repertoire und der gebietsbezogenen Kombination von Förder- und Ordnungsinstrumenten liegen wesentliche Erfolgsfaktoren für die erkennbare Stabilisierung und Nutzungsanreicherung im Stadtteilzentrum. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Initiativen von Eigentümern und Investoren zusammenführen und für eine dynamische Zentrumsentwicklung mit Nutzungsmischung bündeln. Dabei erweisen sich Instanzen des stadtraumbezogenen Managements als impulsgebende und treibende Kräfte.

In der Zentrumserneuerung in Berlin-Moabit zeigt sich, dass die Revitalisierung von Schlüsselgebäuden eine Abfolge prägnanter Räume mit neuen Nutzungen und Frequenzerzeugern hervorbringt. Diese tragen wiederum zu Nutzungsvielfalt und Stabilisierung der Geschäftsstraße bei.

Quellen

  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Nutzungsmischung und die Bewältigung von Nutzungskonflikten in Innenstädten, Stadt- und Ortsteilzentren – Chancen und Hemmnisse. Ein Projekt der Allgemeinen Ressortforschung. BBSR-Online-Publikation 23/2017, Bonn 2017

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 10559 - Ort: Berlin - Straße: Turmstraße.

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/tZHG7wYmRy32

Letzte Änderung: 11.04.2018