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Nationale Stadtentwicklungspolitik

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Berlin-Prenzlauer Berg „Ein Platz für die Marie“

Im Rahmen einer Stadtquartierssanierung in Berlin-Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg wurde eine zur Bebauung vorgesehene Brache zunächst für 10 Jahre als Stadtteilpark zwischengenutzt. Zwischenzeitlich konnte diese Nutzung langfristig gesichert werden. Bei der Gestaltung konnten und können sich die AnwohnerInnen weiterhin intensiv an der Planung und Durchführung beteiligen.

Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Kontext

Luftbild im März 2004 Quelle: S.T.E.R.N., Berlin

Im November 1994 beschloß der Senat von Berlin die förmliche Festlegung des im heutigen Bezirk Pankow gelegenen Sanierungsgebietes Prenzlauer Berg-Winsstraße. Das Neuordnungsprogramm sah vor, die gründerzeitliche Bebauungsstruktur, die soziale Mischung und die Nutzungsmischung zu erhalten, den Wohngebäudebestand zu erneuern sowie das Grün- und Freiflächenangebot zu verbessern. Sanierungsbeauftragte ist die S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH, Berlin.

Der Abriss eines bezirklichen Rettungsamtes in der Marienburger Straße hinterließ eine 6.000 m² große Brachfläche, auf der eine Polizei- und Feuerwache sowie ein 1.000 m² großer Kleinkinderspielplatz neu entstehen sollten. Der Neubau der Feuerwache wurde aufgrund von Sparmaßnahmen im Berliner Haushalt verschoben.

Projektbeschreibung

Stadtplatz Quelle: falcon crest/Schroedter/Saathoff

Gemeinsam mit dem Amt für Umwelt und Natur (AUN) und der Sanierungsbeauftragten S.T.E.R.N. setzte sich die Betroffenenvertretung (BV) Winsstraße für eine "grüne Zwischennutzung" der Brachfläche ein, um das hohe Defizit an Grün- und Freiflächen im Sanierungsgebiet zu mindern. Ein Gutachter untersuchte die Möglichkeiten einer temporären Nutzung, dann folgten erste Verhandlungen mit der Feuerwehr als dem planmäßig vorgesehenen Nutzer. Auf Initiative der BV Winsstraße führten das AUN und S.T.E.R.N. mit vielen Anwohnern und sechs Landschaftsplanungsbüros einen Workshop durch, auf dem Grundzüge eines Entwurfs für die Gesamtfläche erarbeitet wurden. Das Votum der Jury für das Konzept eines Stadtplatzes mit Abenteuerspielplatz als Hauptnutzung wurde realisiert.

Durch die Bündelung verschiedener öffentlicher Finanzierungsquellen, ergänzt um Geld- und Sachspenden und die unbezahlte Mitarbeit von BewohnerInnen und Künstlern aus dem Kiez, konnte trotz knapper öffentlicher Ressourcen ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung des Wohnumfeldes geleistet werden. 200 Schüler aus 11 Schulklassen gaben dem Platz mit Wandmalereien und Mosaiken sowie mit einem selbst gestalteten Spielbrunnen ein neues Gesicht. Die Baumreihen konnten aus einer Ausgleichsmaßnahme bezahlt werden. Mit Mitteln des EU-Programmes URBAN II ließ sich zusätzlich die Aufstellung von Solarleuchten realisieren. Die Gartenbauarbeiten wurden mit der Unterstützung von Langzeit-Arbeitslosen durchgeführt, die von der Bundesanstalt für Arbeit bezahlt wurden.

Im Juni 2005 konnte nach Abschluss der Grundstücksverhandlungen mit der Feuerwehr der provisorische Status beendet werden. Somit ist die Nutzung der „Marie“ als öffentliche Grünfläche und Stadtplatz für das Sanierungsgebiet Winsstraße auf Dauer gesichert.

Mit der Fertigstellung einer Turnhalle und einer Hort-/Jugendeinrichtung auf den benachbarten Schulgrundstücken ist das räumliche Angebot ergänzt worden. Zugleich ist die fußläufige Erschließung für die Bewohner verbessert worden.

Schließlich wurde eine großflächige Brandwand an der „Marie“ neu gestaltet und familiengerechte Wohnungen im Rahmen einer Baugemeinschafts-Initiative in direkter Nachbarschaft gebaut.

Das Projekt wurde mit dem Gustav-Meyer-Preis 1999 des Landes Berlin für beispielhaftes Planungsverfahren ausgezeichnet, war Preisträger des Programms "Soziale Stadt" 2000 und wurde 2004 im Rahmen des Deutschen und Europäischen Städtebaupreises unter dem Motto „Auch Kindern gehört die Stadt-Kinderfreundliche Stadterneuerung in einem dicht bebauten Gründerzeitviertel von Berlin“ gewürdigt.

Projektchronologie

JahrEreignis
1994Festlegung des Sanierungsgebietes
1995Abriss des bezirklichen Rettungsamtes, Planung einer Polizei- und Feuerwache
Juni 1997Durchführung eines Workshops zur Zwischennutzung der Brachfläche
Sept. 1997Vertrag über 10 Jahre kostenlose Nutzung mit Verlängerungsoption zwischen dem Amt für Umwelt und Natur und der Feuerwehr
ab Mai 1998Gestaltungsarbeiten
1998Fertigstellung eines Kleinkinderspielplatzes
Mai 1999Einweihung des Stadtplatzes
Juni 2005Beendigung des Status einer Zwischennutzung
2005/06Arrondierung und Qualifizierung des Stadtplatzes „Marie“ durch Fertigstellung einer Turnhalle und einer Hort-/Jugendeinrichtung auf den benachbarten Schulgrundstücken

Ziele

Grünfläche mit Skulptur Quelle: Schnaars/Schroedter

  • Zwischennutzung einer Innenstadtbrache
  • Beteiligung der Anwohner an Planung und Durchführung
  • Schaffung dringend benötigter Spielflächen für Kinder und Freiflächen für Erwachsene
  • Beschäftigungsförderung

Maßnahmen

Gestaltungsentwurf Quelle: Landschaftsarchitekturbüro Selmanagic/Bruch

  • Workshop mit extern moderiertem Verfahren nach dem Modell der Zukunftswerkstätten
  • Zeitlich begrenzter Nutzungsvertrag mit dem Grundeigentümer
  • Organisation von Geldern bei privaten SpenderInnen sowie Werbung von Sponsoren aus Vereinen, Einzelhandel und Gastronomie
  • Steuerungsrunden und Baubesprechungen der städtischen Ämter mit der Betroffenenvertretung, den aktiven Initiativen und BewohnerInnen
  • Errichten eines Quartiersplatzes mit Bereichen für verschiedene Altersgruppen: Piazza mit Kiosk, Sitzbereich, Kinderspielplatz mit Spielschiff
  • Anlage eines Abenteuerspielplatzes unter Mitarbeit der AnwohnerInnen: u.a. Bauwagen, Blockhaus, Spielbrunnen mit Feuchtbiotop, Amphitheater, Wandbemalung
  • Lokale Beschäftigungsinitiative für 17 Langzeitarbeitslose
  • Verwendung von ökologischen Ausgleichsverpflichtungen zur Stadtplatzgestaltung mit Platanenreihen
  • Aufstellung von Solarleuchten
  • Vertrag über Ersatzgrundstück / Grundstückstausch mit der Feuerwehr zur Sicherung des langfristigen Erhalts der „Marie“ als öffentliche Grünfläche, Spiel- und Stadtplatz

Innovationen

Werkstatt mit Kindern Quelle: S.T.E.R.N., Berlin

Vor dem Hintergrund der Finanzknappheit der Kommune ergab sich die Chance der temporären Nutzung einer Baulücke als Platz- und Grünfläche für die Bewohner eines Innenstadtquartiers. Durch die umfassende Bewohnerbeteiligung am gesamten Prozess entstand eine große Identifikation und hohe gestalterische Qualität bei geringen Kosten. Zugleich sind Arbeitsförderungsmaßnahmen durchgeführt worden. Mit dem Zwischenschritt einer provisorischen Nutzung ist letzlich eine dauerhafte Verbesserung der Freiraumsituation erreicht worden.

Quellen

  • S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH: Ein Platz für die Marie, aktualisiertes Projektblatt , Mai 2004
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat IV C, Stadterneuerung (2002): Stadterneuerung. Sanierungsgebiet Prenzlauer Berg - Winsstraße. Berlin
  • S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH (2000): Ein Platz für die Marie. Preisträger des Gustav-Meyer-Preises 1999. Berlin
  • S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH (1999): Ein Platz für die Marie. Der Prozeß einer nicht alltäglichen Stadtplatzgestaltung - Berlin Prenzlauer Berg, Sanierungsgebiet Winsstraße. Berlin
  • Gehrke, Brigitte; Wend, Birgit (2000): Ein Platz für die Marie. In: Offene Spielräume - Bunte Jugendfarmen und Aktivspielplätze, Eine Zeitschrift für die offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Heft 4/2000. Berlin
  • S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH: Die "Marie" nimmt Gestalt an. Bericht aus der Sanierungszeitung VorORT. Berlin.
  • DIFU (2000): Von Kiezpark "Ein Platz für Marie" bis zur "Kunstplatte" - Die Preisträger des Wettbewerbs "Soziale Stadt 2000" stehen fest. In: Soziale Stadt, Info 3, Dezember 2000.
  • o. Verf. (2000): Preis Soziale Stadt 2000, Dokumentation. "Ein Platz für Marie" Zwischennutzung einer Brachfläche als Kiez-Park im Gründerzeitquartier Prenzlauer Berg. Berlin

Weiterführendes

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/ZwzymUqC96E2

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 10405 - Ort: Berlin - Straße: Marienburger Straße 43.

Letzte Änderung: 23.08.2017