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Cottbus-Sachsendorf-Madlow „Stadtvillen“

Aus den abgetragenen Bauteilen eines "Elfgeschossers" sind in einer Plattenbausiedlung fünf Mehrfamilienhäuser mit Etagen- und Maisonettewohnungen entstanden. Dadurch wird die bestehende Siedlung wohnungs- und städtebaulich aufgewertet.

Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Kontext

Hochhaus vor dem Rückbau Quelle: Büro Zimmermann + Partner

Die Großwohnsiedlung Sachsendorf-Madlow, 1974-1986 am südlichen Stadtrand von Cottbus (101.000 Einwohner) gebaut, ist mit über 12.000 Wohnungen die größte in industrieller Bauweise errichtete Wohnsiedlung Brandenburgs gewesen. Aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Probleme sowie hoher Leerstandzahlen wurde der Stadtteil 1999 in das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" aufgenommen. Die Reduzierung des Wohnraumangebotes, die Aufwertung des Wohnumfeldes sowie die Anpassung der sozialen Infrastruktur waren die dringlichsten Aufgaben.

Projektbeschreibung

Stadtvillen vor Hochhaus Quelle: Stadtbüro Hunger

Die Erarbeitung eines städtebaulichen Rahmenplanes im Jahr 1997 bildete die Grundlage für ein Gesamtkonzept, das städtebauliche, wohnungswirtschaftliche und soziale Aspekte miteinander verknüpft. Es konnte ein kooperativer Planungsprozess in Gang gesetzt werden, der den Umbau des monostrukturierten Gebietes zu einem durchgrünten Standort für unterschiedliche Wohnformen voranbringt.

An dem städtebaulich äußerst kritischen Übergang der Großsiedlung zu einer direkt angrenzenden, älteren Einfamilienhaussiedlung wurden zwei von drei Plattenbauhochhäusern grundlegend saniert und aufgewertet (z.B. verbesserte Grundrisse, neue Eingänge, Loggien, Photovoltaikanlage).

Ein dritter Baukörper wurde Platte für Platte demontiert. An selber Stelle wurden aus den recycelten Plattenbauteilen fünf 2- bis 3-geschossige "Stadtvillen" errichtet. Etwa ein Drittel der Bauteile konnte auf diese Weise wieder verwendet werden.

Die neuen Wohnhäuser mit ihren hochwertigen Außenräumen vermitteln städtebaulich zwischen den sehr unterschiedlichen Gebäudemaßstäben (11 und 1 1/2 Geschosse). Die versetzte Anordnung der Gebäude reduziert die gegenseitige Verschattung und erlaubt Blickbeziehungen in den umliegenden Grünraum. In den Stadtvillen sind 13 Etagenwohnungen und Maisonetten in verschiedener Größe (2, 3 und 5 Räume) und Kombination entstanden. Die Wohnungen in den Erdgeschossen haben Gärten. Mit diesem Wohnungsmix wurde auf die gewandelten Ansprüche auf dem Wohnungsmarkt reagiert; das Wohnraumangebot und die Zusammensetzung der Bewohnerschaft wurden vielfältiger. Die Stadtvillen erfüllen hohe ökologische Ansprüche und waren 15-20% preisgünstiger als ein vergleichbares Neubauprojekt.

Durch die Wiederherstellung eines menschlicheren Maßstabs, durch hochwertige öffentliche Räume, verbesserte Belichtung und Platz für neue Wohnformen konnten die städtebauliche Struktur und die Wohnqualität deutlich verbessert werden. So tragen die Stadtvillen zu einem neuen, positiven Image der Gesamtsiedlung bei.

Projektchronologie

JahrEreignis
1997Städtebauliche Rahmenplanung
ab 1998Sanierung der Hochhäuser an der Gelsenkirchener Allee
1999Aufnahme ins Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt"
Mai 2001Beginn Demontage des Plattenbaus
August 2001Beginn Remontage der Stadtvillen
Mai 2002Bezug der Stadtvillen
2000-2010Beteiligung an der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land

Ziele

Luftbild des Stadtteils Quelle: Stadtbüro Hunger

  • Weiterentwicklung einer Großwohnsiedlung
  • Beseitigung städtebaulicher Missstände beim Rückbau der Siedlung
  • Reduktion von nichtvermietbarem Wohnraum
  • Erweiterung der Wohnungsvielfalt

Maßnahmen

Außenanlage Quelle: Büro Zimmermann + Partner

  • Demontage eines elfgeschossigen Plattenbaus und Recycling unterschiedlichster Bauelemente
  • Kostengünstiger Neubau freistehender Miet(wohn-)häuser mit individuellen Wohnungsangeboten
  • Anlage von Mietergärten und hochwertige Außenraumgestaltung
  • Aufwertung der öffentlichen Räume

Auszeichnung mit dem Bauherrenpreis 2003 (Auslober: GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, Bund Deutscher Architekten und Deutscher Städtetag)

Innovationen

Blick in die Wohngruppe Quelle: Stadtbüro Hunger

In einer baulich-räumlich und sozial problematischen Großwohnsiedlung wurden die Chancen des Schrumpfungsprozesses genutzt. Es sind Räume für neue Wohnformen und ein lebenswertes Wohnumfeld entstanden. Dieses Projekt zeigt eine Alternative jenseits von kurzlebiger Fassadenkosmetik und vollständigem Abriss auf. Die Wiederverwendung von demontierbaren Bauteilen erscheint aus ökologischen und ökonomischen Gründen innovativ.

Quellen

  • Jahnke, Kerstin; Knorr-Siedow, Thomas; Trostorff, Britta (2002): Cottbus - Sachsendorf-Madlow. In: Deutsches Institut für Urbanistik (Hg.): Die Soziale Stadt. Berlin
  • Stadt Cottbus (Hg.) (2003): Integrativer Stadtumbau in Cottbus Sachsendorf - Madlow. Von der industriell errichteten Großsiedlung für Energiearbeiter zum zukunftsfähigen Stadtteil. Cottbus
  • Meyer, Friederike (2003): Rückbau in Cottbus. Wohnhäuser aus Plattenbauteilen. In: Bauwelt 15/2003, S. 22 ff.
  • Bund Deutscher Architekten BDA, Berlin (2003): Bauherrenpreis Modernisierung 2003. Aktion Hohe Qualität - Tragbare Kosten. Berlin
  • Eröffnung IBA Stadtpfad Sachsendorf-Madlow. In: see - Das Magazin der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Heft 7/März 2002. Großräschen
  • Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land (2002): Projektflyer IBA-Stadtpfad Sachsendorf-Madlow. Stadtumbau in Cottbus. Großräschen
  • o. Verf. (2004): Hochhausmodernisierung und Rückbau an der Gelsenkirchener Allee. In: http://www.iba-stadtpfad.de

Weiterführendes

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/E6vW1ZrFhNo

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 03050 - Ort: Cottbus - Straße: Storm-Straße 10.

Letzte Änderung: 30.08.2017