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Nationale Stadtentwicklungspolitik

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Hamburg-Wilhelmsburg „Stadtteil rückt ans Wasser“

Der Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg steht vor der Herausforderung, den strukturellen Wandel vom Hafen- und Industriestandort zum Dienstleistungs-, Wohn- und Freizeitstandort zu bewältigen. Aufgegebene und untergenutzte Flächen in Wasserlage stellen dabei ein besonderes Potenzial dar. Mittlerweile ist es gelungen, die wasserseitigen und teils unzugänglichen Entwicklungspotentiale für eine touristische, freizeitbezogene und gewerbliche Nutzung zu erschließen.

Kontext

eingezäuntes Gelände am Spreehafen Quelle: Stadt Hamburg

Der zwischen der Hamburger Innenstadt und dem südlichen Harburg gelegene Ortsteil Wilhelmsburg (49.000 EW) ist ein schrumpfender Stadtteil in der wachsenden Stadt Hamburg (1,8 Mio. Einwohner, Stand 2009). Der fortschreitende Strukturwandel im produzierenden Gewerbe und die Wohnungsbau- bzw. die Wohnungsbelegungspolitik haben zu einer Akkumulation sozialer Problemlagen geführt. Zudem sind große Teile Wilhelmsburgs durch ihre Lage auf einer großen Elbinsel verkehrlich schlecht an die Innenstadt Hamburg angebunden. Demgegenüber verfügt der Stadtteil über große Entwicklungspotenziale, die auch für die Gesamtstadt Hamburg relevant sind. Hierzu gehören nicht mehr genutzte, altindustrielle Flächen in Hafengebieten, ein vielfältiges Angebot an Wohnungen und große Grünbereiche im Wilhelmsburger Osten mit zwei Naturschutzgebieten. Insbesondere die Hafenareale und hafennahen Gewerbegebiete mit ihren Wasserlagen und Kanälen bieten eine besondere Entwicklungschance.

Projektbeschreibung

ungenügende Wegeverbindung am Wasser Quelle: Stadt Hamburg

Die besonderen Herausforderungen liegen darin, dass für einen extrem heterogenen Stadtteil mit altindustriellen Bereichen und eher ländlich geprägten Gebieten ein stadtentwicklungspolitisches Gesamtkonzept umgesetzt wird. Das ca. 600 Hektar große Projektgebiet ist gekennzeichnet durch teilweise unzugängliche brachliegende ufernahe Flächen und Wohngebiete, denen der Zugang zum Wasser trotz dessen Nähe fehlt. Durch seine Insellage grenzt sich das Gebiet zudem stark von der Hamburger Innenstadt und dem Bezirk Harburg ab. Für dieses bisher vernachlässigte Gebiet galt es, Zukunftsoptionen zu entwickeln und schrittweise zu realisieren.

Durch die Planungen zur Internationalen Gartenschau 2013 und zur Internationalen Bauausstellung 2013 der Stadt Hamburg ist der Stadtteil Wilhelmsburg in den engeren Fokus der Hamburger Stadtentwicklungspolitik gerückt: Der sogenannte „Sprung über die Elbe“ von der Innenstadt über die HafenCity, den Grasbrook, die Veddel und Wilhelmsburg nach Harburg ist Kernstück der städtebaulichen Ziele des 2002 verabschiedeten Leitbilds „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“. In der geographischen Mitte der Stadt bot sich die Chance, das angestrebte wirtschaftliche, soziale und ökologische Wachstum der Stadt qualitativ zu bündeln und den Stadtteil Wilhelmsburg schrittweise aufzuwerten.

Die Entwicklungspotenziale der Wasserachse Reiherstieg, des Spreehafens und der Wilhelmsburger Kanäle wurden in drei Handlungsfeldern aufgegriffen: über die Ausnutzung vorhandener Potenziale („Wasser“), durch Überwinden von Barrieren („Wege“) und durch neue Ansiedlungsstrategien auf Brachflächen („Brachen“). An den Wasserachsen befinden sich Brachflächen, die ein großes Potenzial für neue Arbeitsstätten und Freizeitnutzung aufweisen. Sie bieten die Chance für eine Ansiedlung zukunftsfähiger Dienstleistungs- und Gewerbeunternehmen in Verbindung mit Grün- und Freizeitangeboten für den Stadtteil. Die Freiraumbezüge und die Erlebbarkeit bzw. Erschließung der Uferränder werden mit dem städtebaulichen Umfeld verknüpft.

Ein Schwerpunkt der Maßnahmen liegt in der wasserseitigen Erschließung der Elbinsel. So sind zwei Anleger für den touristischen und freizeitorientierten Bootsverkehr gebaut, Schleusen für die Nutzung durch die Freizeitschifffahrt ertüchtigt, Steganlagen für Fußgänger erstellt und Wegeverbindungen entlang der Kanäle und Wasserläufe neu geschaffen worden. Vier an den Wasserachsen gelegene Brachflächen konnten reaktiviert und für eine neue Nutzung aufbereitet werden. Neue Nutzungen konnten realisiert werden, freizeit- und kulturbezogene Zwischennutzungen (Rockfestival, Open-Air-Kino) lassen künftige gewerbliche Nutzungsoptionen weiterhin offen. Die Realisierung der Maßnahmen war mit einer schwierigen Gemengelage von Hafenentwicklungsgesetz, Freihafenstatus und Baugesetzbuch sowie divergierenden Nutzungsansprüchen an die Entwicklungsräume konfrontiert.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes „Stadtumbau-West“ konnten erste Impulsvorhaben zur Bewältigung des strukturellen Wandels im Stadtteil umgesetzt werden. Mit Inkrafttreten des Gesetz zur Aufhebung des Zollhafens zum 01.01.2013 erhält die Stadt ein Stück Planungshoheit zurück und damit neue Optionen zur Weiterentwicklung der Elbinseln.

Projektchronologie

JahrEreignis

2002
Verabschiedung des Leitbildes „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ mit dem Leitprojekt „Sprung über die Elbe“ durch den Hamburger Senat
2003
Start des ExWoSt-Forschungsfeldes Stadtumbau West in Hamburg-Wilhelmsburg, Rahmenkonzept „Sprung über die Elbe“
2004
Bestandsanalyse und Maßnahmenplan zum Standort Reiherstieg
2005
Realisierung der Maßnahmen
2006
Gründung die Internationale Bauausstellung GmbH
2007
Öffnung des Spreehafens
2008
IBA - Zwischenpräsentation
2011 Fortschreibung der Rahmenstrategie „Sprung über die Elbe“

Ziele

neuer Brückenbau am Veringkanal Quelle: Büro d*Ing Planung, Hamburg

  • Stadtentwicklung in der Mitte der Stadt
  • Verbesserung der Standortqualitäten, des Wohnumfeldes und des Stadtteilimages
  • Entwicklung der freizeitbezogenen, touristischen und gewerblichen Nutzungspotentiale an den Wasserfronten
  • Herstellung einer Anbindung des Stadtteils an die Hamburger Innenstadt
  • Schaffung von Anreizen für künftige Nutzungen durch private Investoren

Maßnahmen

neuer Anleger Quelle: Büro d*Ing Planung, Hamburg

  • Fachplanungen auf verschiedenen Maßstabsebenen (Rahmenkonzept, Maßnahmeplan, Einzelmaßnahme)
  • Investive Maßnahmen
  • Erschließungsmaßnahmen (Wegeverbindungen, Bootsverkehr)
  • Reaktivierung von Schleusengebäuden
  • Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Einbeziehung der Fachwelt über Werkstätten, Fachgespräche und andere Veranstaltungen

Innovationen

neuer Steg als Wegeverbindung Quelle: Büro d*Ing Planung, Hamburg

Hervorzuheben ist die konsequente Einbettung des Stadtumbauprozesses in einem bisher vernachlässigten Stadtteil in die gesamtstädtischen Entwicklungsstrategien. Die einzelnen Stadtumbaumaßnahmen erhielten dadurch eine über den Stadtteil hinaus gehende Bedeutung und lösten viele Synergien aus. Die öffentliche und fachöffentliche Aufmerksamkeit auf den Stadtteil förderte kreatives Engagement. Zudem ist zu erwarten, dass die geplanten Großereignisse wie IBA und Internationale Gartenschau zu einer größeren Investitionsbereitschaft privater Akteure führen werden. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang der Einsatz eines informellen städtebaulichen Rahmenkonzeptes und dessen schrittweise Konkretisierung. Auf diese Weise ist es gelungen, private Akteure zu aktivieren und zu einer positiven Imagebildung beizutragen. In der Stadtverwaltung sind fachübergreifende Abstimmungsstrukturen entstanden.

Quellen

Weiterführendes

  • Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.): Stadtumbau West. Stadtumbau in 16 Pilotstädten – Bilanz im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West. Ausgabe 2008. Berlin/Oldenburg 2008.
  • http://www.stadtumbauwest.de

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/g3QtRz6VYgk

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 21107 - Ort: Hamburg - Straße: Weimarer Straße.

Letzte Änderung: 22.02.2012