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München „Isar-Plan“

Kontext

begradigter Flusslauf Quelle: Wasserwirtschaftsamt München

Die Isar wurde Ende des 19. Jahrhunderts rigoros begradigt und in ein kanalartiges Bett mit befestigten Ufern gezwängt. Fließgeschwindigkeit, Strömungsmuster und Temperaturhaushalt veränderten sich nachteilig. Etwa hundert Jahre später orientieren sich die Entwicklungsziele an einer naturnahen Flusslandschaft. Das neue Leitbild ist eine verzweigt fließende Isar in einem breiten Schotterbett, deren Lauf sich nach jedem Hochwasser verändert. Ein wichtiger Beitrag dazu ist die Erhöhung der Restwassermenge.

Projektbeschreibung

neues Flussbett Quelle: Wasserwirtschaftsamt München

Eine fachübergreifende Arbeitsgruppe aus Münchener Stadtverwaltung und Wasserwirtschaftsamt entwickelte seit 1995 ein Renaturierungskonzept für den Isarlauf im südlichen Stadtgebiet. In dieses Konzept sind die wesentlichen Ergebnisse einer ausführlichen Bürgerbefragung eingegangen. Der „Isar-Plan“ hat den Hochwasserschutz, die Naturnähe der Flusslandschaft und die Verbesserung der Freizeit- und Erholungsqualitäten der Uferzone zum Ziel. Seit 2000 wurde dieser Plan nun in mehreren Bauabschnitten verwirklicht.

Im ersten Abschnitt wurden von der Stadtgrenze an der Großhesseloher Brücke bis zur Braunauer Eisenbahnbrücke die steinernen Uferkanten abgetragen. Das Flussbett wurde verbreitert und Kiesschotter in den Fluss verbracht. Sohlschwellen aus Beton ersetzte man durch aufgelöste, raue Rampen aus Gesteinsbrocken. Die hochgelegenen Uferwiesen wurden abgeflacht bzw. terrassiert und der Flusslauf so an vielen Stellen wieder zugänglich gemacht. Dieser Flusslandschaftsumbau wurde sukzessive bis in die Stadtmitte von München fortgesetzt. Der letzte Abschnitt begann Ende 2010 mit der Umgestaltung im Bereich der Museumsinsel zwischen „Großer Isar“ und „Kleiner Isar“ und konnte Anfang Juni 2011 abgeschlossen werden.

Im Zuge des gesamten Renaturierungsvorhabens wurde zugleich der Hochwasserschutz verbessert. Die Isar kann sich nun bis zu den Sicherungen vorarbeiten, ohne Schaden anzurichten. So entstehen wertvolle Steilufer in den Außenkurven. Des Weiteren wird die Wasserqualität mittels UV-Bestrahlung in den Kläranlagen verbessert, mit dem Ziel wieder Badegewässerqualität zu erreichen. So entstehen nicht nur neue innerstädtische Grünräume für die Stadtbevölkerung, sondern auch neue Freizeitqualitäten.

Die Gesamtkosten für die Umsetzung des Isar-Plans beliefen sich auf ca. 35 Mio. Euro. Davon trugen die Stadt München 45 % und der Freistaat Bayern 55 %.

Projektchronologie

JahrEreignis
1995Beginn der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Isar-Plan“
2000-2002Bauabschnitte 1 bis 3
2002-2004Realisierung des 4. Bauabschnitts
Frühjahr 2003Wettbewerb für 5. Bauabschnitt
2003-2004Vertiefung der Wettbewerbsarbeiten 1./2. Preis
Herbst 2004Entscheidung über 5. Bauabschnitt
2006Beginn des 5. Bauabschnitts
2009Fertigstellung des 5. Abschnitts „Weideninsel“
2010Beginn des letzten Abschnitts im Bereich „Deutsches Museum“
2011Fertigstellung des letzten Bauabschnitts

Ziele

neues Steilufer Quelle: Wasserwirtschaftsamt München

  • Verbesserung des Hochwasserschutzes
  • Naturnahe Ausprägung der Flusslandschaft
  • Erhöhung der Restwassermenge
  • Wiederherstellung der ökologischen Funktionen
  • Verbesserung der Wasserqualität
  • Aufwertung des Isarufers für Freizeit und Erholung

Maßnahmen

neue Kiesbänke Quelle: Wasserwirtschaftsamt München

  • Einbauten zur Verbesserung der Hochwassersicherheit
  • Aufweitung des Flussbettes
  • Entwicklung der Uferbereiche (flache Ufer, vorgelagerte Kiesbänke, Renaturierung und unsichtbare Stabilisierung der Deiche)
  • Gestaltungsmaßnahmen im Fluss (Kiesinseln, aufgelöste Sohlrampen, neue flache Rampen aus Blocksteinen)
  • Entkeimung des gereinigten Abwassers in den Kläranlagen mit UV-Licht

Innovationen

neue Flusslandschaft Quelle: Wasserwirtschaftsamt München

Das Isar-Plan-Projekt in München ist wegweisendes Beispiel für Synergiestiftung und Nachhaltigkeit landschaftsbaulicher Maßnahmen in der Stadt. Dadurch wird zugleich ein naturnaher Flusslandschaftraum wiedergewonnen, Lebensqualität in der Großstadt ausgebaut und Hochwasserschutz nachhaltig verbessert. – Ein Beitrag, der Stadt, Natur und Mensch gleichermaßen zu Gute kommt.

Wesentliche Erfolgsfaktoren bestehen in der Integration von Stadt- und Flusslandschaftsentwicklung und entsprechenden Kooperation über Fachgebiete und Institutionen hinweg. In diesem Rahmen haben Stadt und Bundesland die erforderlichen fachlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zielorientiert gebündelt.

Stadtverwaltung München und Wasserwirtschaftsamt München haben das ambitionierte Projekt durch kontinuierliche Konsultation der Stadtbevölkerung flankiert. Dadurch konnte der mehrfache Projektnutzen von vorsorgendem Hochwasserschutz, Umweltschutz, Stadt- und Lebensqualität vermittelt und Projektakzeptanz gewonnen werden.

Quellen

  • Zinsser, Tilmann (2003): Neues Leben für die Isar. Mit dem Isar-Plan verfolgen die Stadt München und das Land Bayern ehrgeizige Ziele. In: Garten + Landschaft, Heft 12, Dez. 2003, S. 12ff., o. O. (Lageplan)
  • Lieckfeld, Claus-Peter (2003): Wie die zahme Isar wild und schön wird. In: Geo Special, Nr. 2, April/Mai 2003, S. 106 ff., München
  • Zinsser, Tilmann (1999): Der Isar-Plan. Neues Leben für die Isar. In: Infoblatt Nr. 3/99, Wasserwirtschaftsamt München. München

Weiterführendes

  • http://www.neues-leben-fuer-die-isar.de
  • Binder, Walter; Hoelscher-Obermaier, Rudolph (2003): Die Wildflusslandschaft Isar. In: Garten + Landschaft, Heft 12, Dez. 2003, S. 16ff., o. O.
  • Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (Hg.) (2003): Schutz vor Hochwasser in Bayern, Strategie und Beispiele. München.
  • Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft (Hg.) (2001): Flusslandschaft Isar von der Landesgrenze bis Landshut. Leitbilder, Entwicklungsziele, Maßnahmenhinweise. München.

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/kThLYqbsKUK2

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 81379 - Ort: München - Straße: Am Isarkanal.

Letzte Änderung: 20.03.2017