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Nationale Stadtentwicklungspolitik

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Rudersberg "Ortsdurchfahrt"

Die Gemeinde Rudersberg wird von der Landesstraße L1080 durchquert. So war der Ortskern stark durch den Kraftfahrzeugverkehr belastet und sehr unwirtlich ausgeprägt. Um diese Situation zu verbessern, baute die Gemeinde die Durchfahrtsstraße zu einem verkehrsberuhigten und attraktiven Bereich um.

Kontext

Kreisverkehr am Beginn der Ortsdurchfahrt Kreisverkehr am Beginn der Ortsdurchfahrt Kreisverkehr am Beginn der Ortsdurchfahrt Quelle: Merja Spott, Planersocietät

Die Gemeinde Rudersberg (ca. 11.400 EW, 2018) war lange Zeit mit hohen Belastungen vom durchgehenden Verkehr auf der Landesstraße L1080 konfrontiert. Lärm- und Luftbelastungen beeinträchtigten die Lebensqualität und das Gemeindeleben gleichermaßen. Über mangelhafte Aufenthaltsqualitäten hinaus zeigte sich insgesamt eine negative Ortsentwicklung.

Die ursprünglich favorisierte Entlastung durch den Bau einer Umgehungsstraße scheiterte an einem erfolgreichen Bürgerentscheid. In der Konsequenz konzentrierten sich die kommunalen Planungen ab 2007 darauf, die bestehende Ortsdurchfahrt radikal umzugestalten. Die Leitidee für den Straßenumbau orientierte sich am Prinzip des „Shared Space“.

Gegenüber dem neuen Lösungsansatz gab es anfangs jedoch Vorbehalte bei Teilen der Bevölkerung und rechtliche Bedenken der Straßenverkehrsbehörde. Also galt es, sowohl die Bürgerschaft als auch die für Landesstraßen zuständige Straßenverkehrsbehörde von Sinn und Notwendigkeit des neuen Ansatzes zu überzeugen. Dieser Verständigungsprozess war durchaus langwierig und dauerte mehrere Jahre.

Projektbeschreibung

Ortsdurchfahrt Rudersberg Ortsdurchfahrt Rudersberg Ortsdurchfahrt Rudersberg Quelle: Merja Spott, Planersocietät

Das übergeordnete Projektziel bestand darin, die Attraktivität der Ortsmitte zu erhöhen. Dementsprechend sollte die Ortsdurchfahrt vom Kfz-Verkehr entlastet, der Lärm verringert und der Ausstoß von Luftschadstoffen reduziert werden. Für die erforderliche Reduktion und Beruhigung des Kfz-Verkehrs wurde der Straßenraum schließlich grundlegend umgestaltet.

Die Gemeinde Rudersberg verfolgte ab 2007 das Straßenumbauprojekt im Ortskern auf einer Länge von 650 m. Wesentliche Elemente waren die Reduktion der Fahrbahnbreite die Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit auf Tempo 30. Wegen der Klassifizierung als Landesstraße war dafür die Zustimmung der Straßenverkehrsbehörde nötig, die zunächst nicht zustimmen wollte. Rudersberg argumentierte mit dem hohen und mehrfachen Handlungsbedarf: Lärmaktions- und Luftreinhalteplan verlangten nach Besserungen und die Unfallstatistik gebot Verkehrssicherheitsmaßnahmen. Schließlich kam es im Zuge des anhaltenden Engagements von Bürgermeister und Bürgerschaft doch noch zur behördlichen Billigung. Die Übernahme eines Großteils der Kosten durch die Kommune tat ein Übriges.

Die Gesamtkosten des Straßenumbaus inklusive Erneuerung von Kanal- und Wasserleitungen betrugen ca. 3,7 Millionen Euro. Zuschüsse gab es in einer Höhe von ca. 570.000 Euro aus Städtebauförder- und Landesmitteln. Die Bevölkerung hatte die Möglichkeit, sich intensiv in die Planungen einzubringen, unter anderem im Rahmen einer einwöchigen offenen Werkstatt. Die Straßenumbauarbeiten erfolgten im Wesentlichen in den Jahren 2012 bis 2015.

Der Straßenabschnitt präsentiert sich heute im zentralen Bereich mit reduzierter Fahrstreifenbreite. Die Trennung von Gehweg und Fahrbahn ist weitgehend aufgehoben. Es wurde ein einheitliches Pflaster verlegt sowie eine niedrige Bordhöhe realisiert. Diese Maßnahmen haben das Queren der Hauptstraße durchgängig und erheblich erleichtert. In den Seitenräumen gibt es nun Sitzgelegenheiten und weiteres Inventar, z. B. Bücherschrank. Zusammen mit der Tempo-Beschränkung auf 30 km/h hat die Kraftfahrzeugfrequenz abgenommen und der Verkehrsraum beträchtlich an Aufenthaltsqualität gewonnen. Der Rückgang der Kraftfahrzeugmenge ist messbar: Zwischen den Jahren 2009 und 2016 ging die werktägliche Tagesbelastung von 11.400 Kfz um 32 % auf 7.700 zurück. Im selben Zeitraum reduzierte sich der Schwerlastverkehrsanteil von 7 % auf 4 %. Als mittelbare Effekte zeigen sich eine Zunahme privater Investitionen in den umliegenden Gebäudebestand und eine Ausweitung der Außengastronomie.

Projektchronologie

JahrEreignis
2007Planungsbeginn
2012Beginn des 1. Bauabschnitts
2014Beginn des 2. Bauabschnitts
2015Fertigstellung

Ziele

Straße mit blauen Lichtsteinen und modernen Lichtmasten Straße mit blauen Lichtsteinen und modernen Lichtmasten Straße mit blauen Lichtsteinen und modernen Lichtmasten Quelle: Merja Spott, Planersocietät

  • Schaffung einer attraktiven Ortsmitte
  • Aufwertung öffentlicher Räume
  • Verkehrsberuhigung
  • Lärmminderung und Verbesserung der Luftqualität

Maßnahmen

Autoparkstände Rudersberg Autoparkstände Rudersberg Autoparkstände Rudersberg Quelle: Merja Spott, Planersocietät

  • Reduktion der Fahrbahnbreite auf 6,50 m, Seitenraumbreite mindestens 2 m, Bordhöhe 3 cm
  • Einheitliches Pflaster auf Fahrbahn und im Seitenraum
  • Einbezug diverser Privatgrundstücke in das Gestaltungskonzept
  • Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h
  • Taktiles Leitsystem
  • Vergrößerung und Aufwertung von Aufenthaltsbereichen und Freiflächen
  • Aufstellen von Straßenleuchten

Innovationen

Zebrastreifen Rudersberg Zebrastreifen Rudersberg Zebrastreifen Rudersberg Quelle: Merja Spott, Planersocietät

Dieses Straßenumbauprojekt demonstriert, dass selbst auf einer Landesstraße die Umgestaltung nach dem „Shared-Space-Prinzip“ möglich ist. Damit ist nicht weniger als die faktische „Herabwidmung“ einer Hauptverkehrsstraße eingetreten.

Erste Auswertungen ergeben eine deutliche Reduktion des Kfz-Verkehrs und des Schwerlastverkehrs. Im Zuge verringerter Fahrzeugmengen nahmen die Lärmbeeinträchtigungen ab. Die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h wird erwiesenermaßen überwiegend eingehalten, was zu Verkehrssicherheit und ebenfalls zur Lärmmminderung beitrug.

Darüber hinaus zeigen die Investitionen in den öffentlichen Raum Sekundäreffekte wie eine Neuansiedlung von Einzelhandel und Gastronomie. Zudem investieren Eigentümer stärker in der Sanierung ihrer Immobilien, was wiederum zu einem attraktiven Straßen- und Ortsbild beiträgt.

Sehr bemerkenswert ist, dass sich Gemeinde und Bürgerschaft erfolgreich gegen Straßen- und Verkehrsausbau entschieden haben und damit nachhaltig an Orts- und Lebensqualität gewonnen haben. So führen weniger Platz für den motorisierten Verkehr und geringere Fahrgeschwindigkeit zu mehr Raumattraktivität und zu mehr Lebensqualität.

Quellen

  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft. BBSR-Online-Publikation 08/2019, Bonn, März 2019.

    https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BBSROnline/2019/bbsr-online-08-2019.html

  • Kaufmann, Richard (2017): Umbau Ortsdurchfahrt Rudersberg – Konzeptionelle Planung als Basis für die Straßenraumgestaltung. In: Straßenverkehrstechnik 10/2017, Köln.

Weiterführendes

Projektstandort auf Google-Maps:https://goo.gl/maps/j9FLeszAUddFefQ19

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 73635 - Ort: Rudersberg - Straße: Backnanger Straße 26.

Letzte Änderung: 03.06.2020