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Nationale Stadtentwicklungspolitik

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Schweinfurt „Innenstadt“

Schweinfurt war traditionell durch den Maschinenbau geprägt. Ende der 1990er Jahre hat die Stadt durch systematischen Ausbau von Dienstleistungen und Kultur in der Innenstadt einen Struktur- und Imagewandel eingeleitet. Durch konsequente Ordnungspolitik und aktive Grundstückspolitik in Kombination mit öffentlich-privater Kooperation beschreitet Schweinfurt neue Wege zu neuem Innenstadtprofil.

Kontext

Blick in die Fußgängerzone Spitalstraße Quelle: FIRU GmbH

Die kreisfreie Stadt Schweinfurt hat rund 54.000 Einwohner (2007) und ist Oberzentrum. Schweinfurt ist historisch durch den Maschinenbau geprägt, zunehmend ergänzt durch Medizintechnik, Mess- und Regeltechnik, Kunststoffverarbeitung. Die Stadt bietet knapp 50.000 Arbeitsplätze (2007) und zieht damit zahlreiche Berufseinpendler aus dem Umland an. Umso größer war die stadtentwicklungspolitische Herausforderung in Folge der Strukturkrise im Maschinenbau Mitte der 1990er Jahre.

Innerhalb der räumlichen Funktionstrennung in Schweinfurt liegt die Innenstadt zwischen den Arbeitsgebieten im Süden und den Wohngebieten im Norden. Dementsprechend ist das Stadtzentrum durch ein hohes Verkehrsaufkommen belastet. Damit sind zugleich starke Nachteile für die Wohnqualitäten in der Innenstadt verbunden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat die innenstädtische Wohnbevölkerung seit 2000 geringfügig abgenommen.

Nichtsdestotrotz verfügt die Schweinfurter Innenstadt auf einer Fläche von 111 Hektar über eine Reihe von Stärken und Potenzialen. Die Innenstadt umfasst die mittelalterliche Altstadt und eine Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts mit überwiegend geschlossener zwei- bis fünfgeschossiger Bebauung. Die Innenstadt ist Einkaufs- und Dienstleistungszentrum für Stadtbewohner und Berufspendler. Angebotsvielfalt, überschaubare Dichte und eine Fußgängerzone mit Rundlauf machen den Hauptgeschäftsbereich in der Altstadt zum attraktiven Einkaufsort. Der traditionelle Einzelhandel hat 2009 durch ein Einkaufszentrum am Innenstadtrand jedoch neue Konkurrenz erhalten.

Projektbeschreibung

Museum Georg Schäfer Quelle: FIRU GmbH

In der skizzierten Konstellation Mitte der 1990er Jahre mussten die gesamtstädtische Rolle und die Perspektiven der Innenstadt neu geklärt werden. Das führte zu einer Investitionsoffensive und funktionalen Neuausrichtung in der Innenstadt. Mit der neuen Profilausrichtung der Innenstadt auf Dienstleitung und Kunst verbindet sich das Ziel der Diversifizierung der gesamtstädtischen Erwerbsgrundlagen. Diese Orientierung wird durch das Ziel ergänzt, die innenstädtische Wohnfunktion qualitativ aufzuwerten und quantitativ zu stabilisieren. Mit der Neuprofilierung erlangte die Innenstadterneuerung einen herausgehobenen Stellenwert in Kommunalpolitik, Verwaltung und Stadtöffentlichkeit.

Die Stadt Schweinfurt hat damit begonnen, die Bereiche Dienstleistungen und Kultur systematisch auszubauen. Zu Schlüsselprojekten wurden u. a. das Museum Georg Schäfer, der Umbau der Stadtbücherei im Erbacher Hof und das Hauptzollamt. Dieses Ensemble bildet einen kulturellen und Bildungsschwerpunkt in der Altstadt. Es ist architektonisch ambitioniert in historischem Kontext realisiert worden. Baukulturelle Ansprüche sollen auch bei künftigen Bauprojekten in der Innenstadt einen hohen Stellenwert erhalten. Um den beabsichtigten Imagewandel zu fördern, setzt Schweinfurt bewusst auf architektonisch-städtebauliche Qualitäten als Marketinginstrument. Weitere Schwerpunkte der Innenstadtentwicklung sind die Altstadtsanierung, der Umbau des Stadtbads zur Kunsthalle, der Bau eines Jugendgästehauses, Grünflächen- und Platzgestaltungen. Die Plätze der Altstadt ergänzen sich funktional: Markt für Groß- und Marktveranstaltungen, Postplatz für Aufenthalt, Roßmarkt als zentraler Bushalt.

In den vier Sanierungsgebieten der Altstadt bereitet die Stadt geeignete Baulücken für die individuelle Wohnbebauung vor. Zielgruppen für das Wohnen in der Innenstadt sind Familien und ältere Menschen. Um attraktive Wohnqualitäten zu schaffen, werden Lagen an Grünzonen und am Main aufgewertet. Im Rahmen der Sanierung engagiert sich die Stadt stark bei Erwerb, Instandsetzung und Modernisierung von Altbauten sowie bei der Grundstücksvorbereitungen und Vermarktung.

Ein integriertes Stadtentwicklungskonzept setzt den gesamtstädtischen Planungsrahmen. Dieser wird durch einen Grundsatzbeschluss der Stadt gegen die Zulassung großflächigen Einzelhandels an nicht integrierten Standorten ergänzt. Auf dieser Grundlage konkretisieren Rahmenpläne und teilräumliche Konzepte die Innenstadterneuerung. Zur Finanzierung werden Städtebaufördermittel (Programm Städtebauliche Sanierung und Entwicklung), EU-Fördermittel (Ziel 2), Mittel der Bayerischen Landesstiftung Denkmalpflege, kommunale Eigenmittel und private Finanzmittel kombiniert.

Die Innenstadtentwicklung wird durch ein Beratungs- und Steuerungsgremium unter Leitung der Oberbürgermeisterin koordiniert und durch umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung begleitet. Ein Quartiersmanagement dient der Akeursvernetzung. Unter diesem Dach führen privat-öffentliche Partnerschaften diverse Projekte und Aktivitäten durch, insbesondere auch Bauvorhaben wie Landessozialgericht, Hauptzollamt, Volkshochschule. Der Betreiber des neuen Einkaufzentrums hat sich durch städtebaulichen Vertrag u. a. an Kosten zur Neugestaltung öffentlicher Straßen und Plätze und am Stadtmarketing beteiligt. Für andere Maßnahmen in der Innenstadt bietet die Stadt finanzielle Anreize mittels eines City-Fonds beispielsweise in Form städtischer Investitionszuschüsse für Fassadengestaltungen. Eine Innenstadtgesellschaft bR (50 % Stadt, 25 % Immobilieneigentümer, 25 % Einzelhändler) finanziert über einen Verfügungsfonds Aktivitäten des Quartiersmanagements Innenstadt (Dachmarke für die Einkaufsstadt, Lichtmasterplan, etc.). Zur baukulturellen Qualitätssteigerung betreibt die Sanierungsstelle eine intensive Bauberatung. Wettbewerbe für Hochbauprojekte und im öffentlichen Raum sind obligatorisch. Schließlich gibt es einen Förderverein Schweinfurter Innenstadt e.V., der eine Eigentümerstandortgemeinschaft auf freiwilliger Basis gründen will.

Projektchronologie

JahrEreignis
Seit 1979Altstadterneuerung in vier Sanierungsgebieten
2000Fertigstellung des Museums Georg Schäfer
2006-2009Umbau des Stadtbads zur Kunsthalle
2007-2008Neubau des Jugendgästehauses
2009Eröffnung des Einkaufszentrums „StadtGalerie“

Ziele

  • Diversifizierung der gesamtstädtischen Erwerbsgrundlagen
  • Neuausrichtung in der Innenstadt auf Dienstleitung und Kunst
  • Stärkung der innenstädtischen Wohnfunktion
  • Qualitätsvolle Bau- und Stadtgestaltung
  • Förderung des Stadtimages

Maßnahmen

  • Um- und Neubau öffentlicher Gebäude
  • Konzentration von Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Innenstadt
  • Modernisierung und Neubau von Wohngebäuden
  • Grünflächen- und Platzgestaltung
  • Privat-öffentliche Kooperation
  • Quartiersmanagement
  • Verfügungsfonds
  • Bauberatung
  • Wettbewerbe

Innovationen

Reihenhäuser an der Stadtmauer, Oberer Wall Quelle: FIRU GmbH

Hervorzuheben ist die Schweinfurter Kombination aus konsequenter Ordnungspolitik und aktiver Grundstückspolitik von Seiten der Stadt mit vielfältigen Maßnahmen zur Initiierung privaten Handelns und der öffentlich-privaten Kooperation. Damit beschreitet Schweinfurt neue Wege zu neuem Innenstadtprofil.

Der Struktur- und Imagewandel ist durch systematischen Ausbau von Dienstleistungen und Kultur in der Innenstadt eingeleitet. Der Handelssektor scheint mittlerweile stabilisiert, Dienstleistungen und Verwaltungen bieten zahlreiche Arbeitsplätze im Stadtzentrum. Darüber hinaus sind in der Innenstadt viele Arbeitsplätze von Landesbehörden entstanden (u. a. Landessozialgericht, Landesamt für Statistik), nicht zuletzt aber auch kleinere Handwerksbetriebe (Schuster, Tischler) vertreten.

Quellen

Weiterführendes

Projektstandort auf Google-Maps: https://goo.gl/maps/HXjcCqN7CjP2

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 97421 - Ort: Schweinfurt - Straße: Schillerplatz 9.

Letzte Änderung: 04.06.2018